Rosa von Praunheim ist tot. Erst am 12. Dezember hatte der große Film- und Theaterregisseur seinen Lebensgefährten geheiratet. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben, wie am 17. Dezember nach übereinstimmenden Medienberichten bekannt wurde. Martin Schwarz nimmt Abschied.

Schwuler Vorreiter in allen Belangen, Provokateur, Hutträger, Theater- und Filmregisseur, Maler, Autor – Rosa von Praunheim war vieles, aber zuallererst: ein richtig guter Mensch. Er ging ganz offen auf jeden zu, konnte mit seiner sanften Stimme betören. Dabei konnte es schon mal zu einem verschmitzten Satz kommen wie diesem: „Geht es deinem Liebesleben gut oder muss ich nachhelfen?“
Rosa von Praunheims Dokumentarfilme sind kaum zählbar
Das letzte Mal getroffen haben wir uns zu einem Gespräch in jenem Kaffee am Fehrbelliner Platz, wo er gerne seine Zeit verbrachte. Er war da schon Mitte 70 und sprudelte förmlich über vor Ideen und Plänen. Kurz darauf folgte sein Theaterstück „Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht“. Überhaupt zog Rosa viele seine kreativen Arbeiten aus seiner eigenen Vita, vor allem in Dokumentarfilmen wie „Meine Mütter – Spurensuche in Riga“. Ja, die Dokumentarfilme: Sie sind kaum zählbar – 2012 drehte er 70 Filme zu seinem 70. Geburtstag –, zeugen aber immer von einer unglaublichen Empathie den jeweiligen Menschen gegenüber, die er porträtierte. Meisterwerke wie „Tunten lügen nicht“ oder „Kühe vom Nebel geschwängert“ harren einer Wiederentdeckung.
Ab Mitte der 80er stellte er sich mit vielem Filmen dem Kampf gegen Aids, machte sich nicht nur Freunde, als er Prominente wie Hape Kerkeling oder Alfred Biolek zwangsoutete.
Der Tod Rosa von Praunheims reißt ein Loch, das nicht zu stopfen ist
Und dann ist da noch sein umfassendes Engagement für den Nachwuchs: Welcher Hochschullehrer kann schon von sich behaupten, dass von ihm beeinflusste Regiestars eine Hommage an ihren Unterstützer gedreht haben: Tom Tykwer, Robert Thalheim, Axel Ranisch, Julia von Heinz und Chris Kraus schufen 2012 den sehenswerten Dokumentarfilm „Rosakinder“ – eine tiefe Verbeugung vor diesem einzigartigen Künstler. Der Tod Rosa von Praunheims reißt ein Loch, das nicht zu stopfen ist. Farewell, Rosa – und danke!
2020 trafen wir ihn zum Interview: Rosa von Praunheim über „Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs“. Einblicke in Abgründe: Über Rosa von Praunheims Film „Dark Room“.


