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Kommentar

„Sachsen und wir“ von Erik Heier

Bitterböse Sachsen-Kalauer gehen gerade besonders gut. „Ich habe die Sachsen dicke“, schrieb neulich ein Facebook-Freund.

Erik Heier

Die Berufsausübung der Freistaat-Behörden im Fall des mutmaßlichen Terroristen Jaber al-Bakr mutet zwar wahrlich haarsträubend an. Aber wir fahren jetzt das Sachsen-Bashing besser einen Tick runter.  Wenn es nämlich tatächlich stimmt, dass der Syrer sich erst nach seiner Flucht nach Deutschland radikalisierte und dabei neben Horrorvideos aus dem Internet ein Berliner Imam eine wichtige Rolle spielte, sind auch in Berlin die Sicherheitsbehörden dringend gefragt. Der Bruder des Islamisten hat dem „Spiegel“ gesagt, Jaber al-Bakr habe, bevor er in Chemnitz mit Sprengstoff hantierte, vom (bei Redaktionsschluss nicht bekannten) Imam eine „Gehirnwäsche“ erhalten. Sollte es nicht stimmen, bleibt das Thema trotzdem virulent. Das Problem in der ganzen Flüchtlingsdebatte ist ja unter anderem, dass es häufig nur Schwarz oder Weiß gibt. Gute Syrer versus böse Syrer. Willkommenskultur versus Rauschmeißer der Nation. Wir müssen dringend die Grautöne lernen. Es ist kein Generalverdacht gegen Flüchtlinge – oder auch den Islam –, wenn man feststellt, dass etwa rund um die Berliner Flüchtlingsunterkünften nicht nur rechte Einpeitscher, sondern auch islamistische Scharfmacher eine günstige Rekrutierungssituation vorfinden. Kenner verweisen auf weitere Radikalisierungsgefahren. Der Fall Jaber al-Bakr ist deshalb nicht nur eine Warnung für die „Deppen aus Sachsen“. Sondern auch für Berlin.

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