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Schmuckdesignerin Gili Doliner

Schmuckdesignerin Gili Doliner

Gili Doliner musste einfach mal raus aus ihrer Komfort­zone, in der alles so sicher und geregelt ist. Raus aus Tel Aviv, dieser hektischen Stadt. Raus aus Israel, diesem kleinen Land. Ab nach Berlin, dem Tor zur Welt. Kaum war sie aus dem Flugzeug gestiegen, überkam sie eine tiefe Ruhe. „Berlin hat so einen natürlichen Flow“, sagt sie. Wie der Schwan, der gerade auf dem Landwehrkanal schwimmt. Wie der Typ rechts, der mitten am Tag in der Sonne hockt und völlig entspannt ein Buch liest.
Gili ist 31, studierte Schmuck­designerin und Goldschmiedin. Obwohl sie diese Titel hasst. „Ich passe in keine Box. Das macht mich unfrei und unkreativ.“ Und gerade wegen dieser Kreativität ist sie vor neun Monaten nach Berlin gekommen. „Die Leute hier legen einfach los, ob begnadeter Künstler oder nicht, sie tun es einfach.“ Dieser Flow nimmt sie mit, schubst sie an, treibt sie vorwärts, das braucht sie „wie eine Rakete den Treibstoff„.
Ob Graffiti an den Wänden, das Moos am Ufer, die Textur eines Baumes, das Muster eines Kleides – für Gili zählen die kleinsten Details. Sie kann sich stundenlang darauf konzentrieren und sich gleichzeitig darin verlieren. Um das zu verstehen, muss man etwas näher an sie ranrücken. Erst wirkt sie unscheinbar, doch dann sieht man die Ringe an ihren Fingern, die Ketten um den Hals, die Ohrringe. Alle klein, alle fein, alle von ihr, alles aus Silber oder Gold.
Sie nimmt eine Kette ab, daran hängt eine Silberröhre, drückt man auf einen feinen Mechanismus, geht diese auf. Darin stecken zwei zusammengerollte Zettel. „Ich konnte einem Freund bei seinem Problem nicht  helfen. Stattdessen hatte ich die Idee für dieses Schmuckstück.“ Auf den Zetteln stehen Wünsche und Bitten, in der Röhre, an der Kette, hat man diese am Körper, ganz nah am Herzen. Ändern sich die Wünsche, tauscht man die Zettel einfach aus. Ein „Wish Tank“. Viele ihrer Schmuckstücke haben einen speziellen Trick. Noch arbeitet sie zu Hause, das Internet ist ihr Marktplatz.
Ob Schmuck, Klamotten, Schuhe – Designer aus Israel entdecken Berlin als Markt oder ziehen gleich ganz her, wie Hani Sagiv, die sich auf Fashion und Produkt­design spezialisiert hat. Oder Amit Epstein, der als Theaterkostüm-Designer arbeitet. Andere kamen, etablierten sich und mussten nach ein paar Jahren ihre Laden­geschäfte wieder aufgeben, wie Nait Rosenfelder und Roey Vollmann mit ihrem Label Eva & Bernhard oder Itamar Zechoval mit seinem Laden Dandy of the Grotesque. Gili will jetzt erst mal Deutsch lernen und einen Platz für ihre Werkstatt suchen. Solange sich Berlin richtig anfühlt, will sie bleiben.    

Text: Karl Grünberg

Foto: Benjamin Pritzkuleit

Weitere Informationen unter www.gilidoliner.com

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