Kultur

Schöne Teppiche

Schöne Teppiche

„Darf ich mich mal draufstellen und fühlen?“ Aaron Freitag, Geschäftsführer der Berliner Teppichmarke Myfelt, hört diese Frage öfter, etwa wenn er sein Modell „Lotte“ vorstellt. Deren bunte, weiche Filzkugeln sehen einfach einladend aus. „Unsere Teppiche sind nicht nur ein optisches, sondern auch ein haptisches Erlebnis“, sagt Freitag.  
Auf dem Boden des Myfelt-Showrooms liegen ein paar lose Filzkugeln – ein Überbleibsel der Eröffnungsfeier kürzlich und die Hauptakteure des Konzeptes: Alle Myfelt-Teppiche bestehen aus diesen Kugeln. „Sie werden in Nepal handgefilzt und anschließend nach einem speziellen Verfahren von Hand zusammengenäht“, erklärt Freitag. „Den Faden sieht man nicht, der Teppich bleibt immer in Form und ist sehr robust.“ Ob kleiner, runder Untersetzer oder quadratisches Drei-Meter-Stück, knallbunt wie „Lotte“ oder, ganz neu, in Kieselsteinoptik wie „Hardy“ – die Varianten sind vielfältig.
Die Lust auf individuelle Teppiche jenseits von Massenprodukten, wie man sie beim Möbel-Discounter findet, hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Vor allem, wenn der Teppich nicht nur gut aussieht, sondern auch noch fair produziert ist. Gütesiegel wie „GoodWeave“, deren Siegel ausschließlich fair und ohne Kinderarbeit hergestellte Produkte bekommen, bieten eine Orientierung. Auch Myfelt kooperiert seit 2014 mit GoodWeave. 50 Arbeiterinnen kann das Unternehmen mittlerweile beschäftigen.
Wie vielseitig und vor allem raumgreifend und -formend ein Teppich sein kann, zeigen die Entwürfe von Rug Star by Jürgen Dahlmanns. Das Label, das unter anderem in Mitte einen Showroom betreibt, setzt auf exklusive, besonders aufwendig gestaltete, handgeknüpfte Teppiche. Motive, wie ein Modell mit eingeknüpftem Revolver, erinnern mal an Pop-Art, mal an Aquarellbilder oder an Neuinterpretationen traditioneller Muster. Für Dahlmanns sind seine meist zwei bis drei Meter großen Teppiche eine „liberale Form der Schaffung von Raum innerhalb eines Raumes“.
Rug Star ist ebenfalls GoodWeave-zertifiziert und arbeitet mit Manufakturen in Indien und Nepal zusammen, die die modernen Designs nach den Regeln traditioneller Handwerkskunst herstellen. Geknüpft wird entweder mit dem tibetischen Knoten, der sich sehr gut für Farbverläufe eignet, oder mit dem persischen Knoten für exakte, feine Muster. Jeder Teppich benötigt etwa 3000 Arbeitsstunden.
Diese Handarbeit, ob vernäht, geknüpft oder gewebt, sieht und fühlt man. Auch noch nach Jahrzehnten. So kam es, dass sich Katrin ten Eikelder in New York in Vintage-Teppiche verliebte, genauer gesagt in Orientteppiche. In ihrem kleinen Showroom an der Torstraße in Mitte hängen und liegen sie wie überdimensionale Gemälde, gelb, flaschengrün, türkis. Die 31-Jährige kauft bis zu 80 Jahre alte Teppiche von Händlern im Iran und der Türkei. Die traditionell gefertigen Stücke werden gebleicht, gewaschen, gefärbt und anschließend geschoren. So erhalten sie einen leicht verwaschenen Look und wirken luftig und elegant. „Neu sind Teppiche aus Hanfdecken, die in Anatolien hergestellt wurden. Ursprünglich, um damit Obst und Getreide zu trocknen“, so ten Eikelder. Auch neue, selbst entworfene Filzteppiche gehören mittlerweile zum Sortiment. Teppiche, so das Fazit, haben noch viel Potenzial für innovative Ideen.

Text: Isabel Ehrlich

Foto:
My felt

Adressen

Myfelt showroom
Holtzendorffstr. 18, Charlottenburg,
Mo–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–14 Uhr,
www.myfelt.de

Rug star Berlin
Rosa-Luxemburg-Str. 27,
Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 12–19 Uhr,
www.rugstar.de

The Knots Studio Showroom
Torstr. 98 (1.OG), Mitte,
Tel. 0160-800 67 08
www.the-knots.com

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