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„Schutt“ in der Box des Deutschen Theaters

Erinnert sich noch jemand an das Schock-Britpop-Theater der späten Neunzigerjahre, in dem es um Shoppen und Ficken, um Amokläufer, Süchtige und Suizidale aller Art ging? Dennis Kellys „Schutt“ ist ein Nachzügler des Trash-mit-Sozialkritik-Appeals. Das Stück führt alle Schwächen des Genres (aufgesetzte Punk-Attitude, Klischee-Figuren, Pseudo-Tiefsinn) in voller Peinlichkeit vor, ohne an seine Stärken (Unterschicht-Aggression, offensiver Nihilismus) anknüpfen zu können. Die junge Regisseurin Marike Moiteaux hat es jetzt in der DT-Box inszeniert. Ein knallgelber Pfeil schiebt sich als schmaler Laufsteg Richtung Publikum, links signalisiert eine Holzbox, die mit der weißen Plastikverkleidung eines Wohnwagenanhängers und trostlosen Vorhängen im Fenster geschmückt ist, eine gewisse Unbehaustheit der Protagonisten (Bühne: Merle Vierck).

Michael (Thorsten Hierse) hat seinen Vater tot im Wohnzimmer gefunden. Der alte Herr, offenbar ein begeisterter Heimwerker, hat sich mittels einer raffinierten Gerüst- und Pfeilschuss-Konstruktion selbst gekreuzigt. Michaels Schwester Michelle (Olivia Gräser) hat es auch nicht leicht – und das von Anfang an: Als ihre Mutter mit ihr schwanger war, ist sie vor dem laufenden Fernseher vor Langeweile gestorben. Dieses Nichts von Stück wird von allerhand szenischen Scherzen und aufgeregtem Schabernack begleitet, mal regnet es Konfetti, mal sorgen ein weißer Zylinder oder eine Gorilla-Maske für Faschingsstimmung. 

Text: Peter Laudenbach

tip-Bewertung: Ärgerlich

Schutt?, Deutsches Theater Box, Sa 22.2., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 25 

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