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„Schwarz gemacht“ im English Theatre Berlin

Identität kann kompliziert sein. Klaus zum Beispiel, Afro-Berliner, Mitte 30 und Schauspieler in NS-Propagandafilmen, zitiert gern mal Hitler. Der Protagonist (Ernest Allan Hausmann) im neuen, englisch-deutsch aufgeführten Stück „Schwarz gemacht“ des English Theatre Berlin lebt im Dritten Reich, für ihn ist Nazi-Deutschland seine Heimat. Eine andere Figur des Stücks, der weltgewandte Jazz-Musiker Maurice, ein Afro-Amerikaner, provoziert den Afro-Nazi gerne mal mit einem „Hey brother“.

Das Stück begibt sich ins Berlin der 30er-Jahre, zum Beispiel zum Boxkampf zwischen dem Afro-Amerikaner Joe Louis und dem Deutschen Max Schmeling im Juni 1938. „Das haut dermaßen in your face“, sagt Alexander Thomas, der New Yorker Autor des Stücks im Gespräch, „aber gerade deshalb wollte ich diese Metapher.“ Klaus’ deutsche Pensions-Mitbewohner machen es auch nicht unkomplizierter: Der Film-Regisseur Walter wurde vom NS-Regime zwangsverpflichtet; die naive amerikanische Diplomatentochter Lisa, die mit rosa Brille ihre deutschen Wurzeln sucht, verliebt sich in Klaus. „Ich lasse den illegalen Jazzclub und die Pensionswelt flüssig ineinander übergehen“, sagt Regisseur Daniel Brunet, „um den inneren Konflikt zu forcieren.“ Ein schwarzer Schauspieler im Dritten Reich – das klingt absurd. Aber Schwarze gab es in der Hitler-Jugend und der Wehrmacht. Und der schwarze Schauspieler Louis Brody aus der deutschen Kolonie Kamerun hat im Nazi-Propagandafilm „Jud Süß“ mitgespielt.

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Dragan Simicevic

Schwarz gemacht?, English Theatre Berlin, 26.2.–15.3., Mi–Sa 20 Uhr, Karten-Tel. 691 12 11

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