Kultur

Segeln auf der Spree

Segeln auf der Spree

Eine 1,20m hohe Steinmauer begrenzt das Spreeufer auf der Friedrichshainer Seite der Elsenbrücke. Der Himmel ist grau und herbstlicher Nieselregen trübt die Sicht. Nicht gerade das Wetter für einen Segelausflug, aber Thomas ist fest entschlossen. Gemütlichkeit und Schönwettersegeln sind sowieso nicht Teil des Plans. Konzentriert bindet er mit diversen Seilen Paletten und Pontons zu einer abenteuerlichen Konstruktion zusammen: eine improvisierte Rampe, um den 17-Fuß großen Katamaran zu Wasser zu lassen.
Fotograf Jens und Vorschoterin Johanna schauen skeptisch, packen aber solidarisch mit an. Der erste Belastungstest der Rampe scheitert, eine Palette knackt durch und Thomas landet um ein Haar nicht in der Spree. Mehr Seile müssen her. Der zweite Test ist schon vielversprechender.
Jetzt schnell die Segel hochziehen, umziehen und dann ist der kritische Moment gekommen: das aufgebaute Boot wird auf dem extra dafür gebauten Anhänger an die Mauer herangefahren und vorsichtig über Polster auf die Rampe geschoben. Jetzt bloß gut festhalten – und tatsächlich, die Rampe hält. Schneller als gedacht liegt das olympische Geschoss im Wasser, die beiden Segler steigen routiniert auf, klappen die Ruderanlage herunter, ziehen sich Segel dicht und bewegen sich Richtung Oberbaumbrücke.
Eine leichter Wind genügt und einer der beiden Rümpfe hebt sich aus dem Wasser, steigt höher, und das Boot zischt mit Schräglage Richtung CocaCola-Haus. Sofort steht Johanna mit den Füßen an der Rumpfkante und lehnt sich nach außen, hängt über dem Wasser und gleicht damit den Segeldruck aus. Kurz vor der Ufermauer ist sie blitzartig wieder auf dem Boot und Thomas wendet den Katamaran.
In den folgenden zwei Stunden segelt das Team zwischen Oberbaum – und Elsenbrücke auf und ab. Der Molecule Man bleibt nicht der einzige Zuschauer. Am Ufer finden sich Neugierige aus den nahegelegenen Büros und faszinierte Passanten ein. Dazwischen bewegt sich Jens Grimme, um einmalige Aufnahmen von der Szenerie zu machen. Ausflugsdampfer, Fernsehturm, die U1 – so eine Kulisse bietet sich nicht alle Tage für den Sportfotografen.
Beim Anlegen wird es noch einmal spannend, doch die Rampe besteht auch diesen Belastungstest. Boot und Crew sind heil zurück. „Das war schon eine geile Erfahrung, in dieser Kulisse zu segeln“, sagt Thomas, der sonst eher auf Ostsee, Atlantik und Mittelmeer unterwegs ist. Dass der Aufwand sich mehr als gelohnt hat, zeigen spätestens die spektakulären Fotos (siehe Bildergalerie).

Text: RF

Foto: 4-Vision/ Jens Grimme

Wer auch mal auf zwei Rümpfen übers Wasser gleiten will (ob in Berlin oder anderswo), kann Thomas Haupt für eine individuelle Schnuppereinheit oder Segelstunde buchen. Kontakt & weitere Infos: www.haupt-team.de, [email protected], Tel. 0176 7079118 

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