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Tanztheater

„Shadowland 2“ im Admiralspalast

Im Reich der Schatten: Die US-Tanzcompanie Pilobolus verbindet in „Shadowland 2“ Tanz, Schattentheater und Gesellschaftskritik mit multimedialer Raffinesse

Shadowland 2
Beowulf-Sheehan

Wie misst man Erfolg? Das Pilobolus Dance Theatre aus Connecticut hat seit seiner Gründung 1971 rund 120 Tanzstücke erstellt und dafür viele Preise gewonnen, darunter einen Emmy sowie die Kennedy-Center-Honors-Medaille. Und eine Grammy-Nominierung. 2007 sorgte es bei der Oscar-Verleihung mit der Nachstellung der nominierten Filme in Schattenszenen für Furore. Pilobolus ­spielte zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Atlanta, trat in der „Sesamstraße“ und den TV-Shows von Oprah Winfrey und Conan O’Brien auf. Doch der richtig große, eben auch finanzielle Erfolg kam erst mit einer Produk­tion, welche die ursprünglich für die Oscarverleihung entwickelte Idee eines modernen Schattentanztheaters zu einer abendfüllenden Coming-of-Age-Geschichte weiterspann – und die nicht in den USA, sondern in Europa ihre Premiere hatte. „Shadowland“ ging durch die Decke: Pilobolus verkaufte über eine Million Tickets in rund 40 Ländern, erst im vergangenen Jahr kam die Show dann auch in die USA.
Zu Hause im ländlichen Connecticut verfügt die unsubventionierte freie Gruppe nicht mal über ein eigenes Theater. Im Gemeindehaus des Städtchens Washington Depot darf die Compagnie proben, solange keine Gemeindeveranstaltungen anstehen. Das heißt, ständiger Auf- und Abbau vor und nach den Proben. Doch dazwischen entwickelt das Kreativteam um den künstlerischen Leiter Ita­mar Kubovy, die Choreografen Renée Jaworski und Matt Kent, dem Singer-Songwriter David Poe und Autor Steven Banks in Improvisationen mit den Tänzern nun die neue Show. „Wir wollten in ,Shadowland 2‘ nicht einfach dasselbe nochmal machen“, sagt Banks, der als langjähriger Hauptautor von „SpongeBob“ viel feinen Humor in die poetischen Körperlandschaften einbringt. „Wir haben inzwischen eine neue, avanciertere Schattentechnik entwickelt. Die Herausforderung ist, dass es kein Script gibt, wenn die Proben beginnen. Die Stückentwicklung ist wirklich ein gemeinsamer Kreationsprozess aller Beteiligten.“ Einen großen Anteil daran hat auch David Poes Musik, die genial beatleske Popsongs mit funktionaler Theatermusik verknüpft. Einer seiner Songs, der von einer Kiste handelt, gab nun auch die Grundidee für die Liebesgeschichte im Setting einer Kartonfabrik, in der eine Kiste ein ganz besonderes Eigenleben enthüllt. „Die Box ist eine Metapher für Konformität, es geht auch um eine Unternehmenskultur, die den Profit über den Menschen stellt“, sagt Poe. Die Auswirkungen sind in Pilo­bolus‘ Heimat Connecticut zu spüren. Im Städtchen Torrington, wo im Mai eine Preview der neuen Show stattfand, sind, nachdem die Zulieferindustrie weitgehend nach Asien verlagert wurde, 80 Prozent der 38.000 Einwohner arbeitslos.

Admiralspalast Di 26.7. – Fr 29.7., 20 Uhr, Sa 30.7., 15 + 20 Uhr, So 31.7., 14 + 19 Uhr, Eintritt 28.50–64,30 €

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