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Ceal Flower in den Kunst-Werken

CealFlowerDas Wesen der Dinge habe die Angewohnheit, sich zu verbergen, behauptete schon der griechische Naturphilosoph Heraklit. Wie schön, dass es Künstlerinnen wie Ceal Floyer gibt, die unsere Nase behutsam in Richtung Lösung lenken. Sehr behutsam. Denn nur mit viel Geduld lassen die Arbeiten der in Berlin lebenden britischen Minimalistin ihr Wesentliches erkennen. Wie zum Beispiel „Picture Puzzle“, wo der feine Unterschied zweier Zeitschriftentitel durch handverklebte Preisschilder entstand. Floyer gelange mit ihren Arbeiten zu einem Ergebnis von hoher formaler Komplexität und erreiche eine geistreiche Aufladung, die sich nicht auf den ersten Blick einstelle, lautete die Begrün­dung der Jury, von der Floyer den Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst 2007 zuerkannt wurde. Ihr Werkzeug ist praktisch die Erfahrungswelt und das Vorstellungsvermögen ihres Publikums.
Dessen Fantasie wird angesichts eines an die Wand gepinnten Kassenbons mit dem Titel „Monochrome Till Receipt“ ziemlich gefordert. Aufgelistet sind dort unter anderem eingekaufter Reis, Kerzen und Teller – die Vorbereitung auf ein romantisches Dinner? Nur wer mit genug Ausdauer die Liste studiert, wird womöglich auf die Idee kommen, dass die Künstlerin vornehmlich Weißware angeschafft hat, um vor unseren inneren Augen sozusagen eine monochrome Skulpturen­installation entstehen zu lassen. Ähnlich wie der Vorhang, den Floyer mithilfe zweier vor den Scheinwerfer gespannten Folien auf die Wand projiziert („Double Act“), sind die 50 weißen Säulen im Erdgeschoss der Kunst-Werke von erstaunlicher visueller Opulenz. In unregelmäßigen Abständen klingt aus dem Inneren der weißen Sockel ein gesungenes „Thing“, Fragmente aus Popsongs. Die Installation „Thing“ ist bei Wei­tem das sinnlichste Objekt dieser Ausstellung, da unserer Fan­tasie hier kaum noch Grenzen gesetzt werden. Dabei versuche sie doch, die Bedeutung ihrer Arbeiten zu minimieren, wie die Künstlerin in einem Interview erklärte. So wie bei dem Gekritzel auf Hunderten von Zetteln mit dem Aufdruck verschiedener Pa­­pierwarenhersteller. Diese oft dum­­men, manchmal witzigen Ver­­le­gen­heitsäußerungen auf Blocks, die zum Test eines Schreibgeräts für Kunden bereitliegen, von Floyer gesammelt und einer neuen Bedeutung zugeordnet, zeigen keine große Geste oder künstlerisches Pathos. Sie entlo­cken uns ein Lächeln.
Text: Constanze Suhr

Foto: Uwe Walther/Esther Schipper

tip-Bewertung: Sehenswert


Show Ceal Floyer

in den Kunst-Werken, (Adresse und Googlemap)
Di-So 12-19 Uhr, Do 12-21 Uhr;
www.kw-berlin.de, bis 18.10.

 

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