Kultur

Showdown im Township

Township
Foto: flickr.com/Niklas Plutte

Auch wenn die Kriminalitätsstatistik Südafrikas in den letzten Jahren leicht gesunken ist, bleibt sie doch konstant furchterregend. Rund 50 Morde und über 100 Vergewaltigungen werden am Austragungsort der kommenden Fußballweltmeisterschaft täglich verübt. Kein Wunder also, dass das Land, in dem die Apartheid eine tiefe Kluft zwischen Schwarz und Weiß hinterlassen hat, immer häufiger zum Schauplatz für starke rea­listische Kriminalromane wird. Hierzulande erfolgreich ist bereits der Südafrikaner Deon Meyer, der mit seinen Thrillern die sozialen Probleme am Kap der Guten Hoffnung realitätsnah thematisiert. Härter und schonungsloser schildert nun der 1960 geborene Drehbuchautor und Regisseur Roger Smith in seinem Debüt „Kap der Finsternis“ die Brutalität einer durch Armut und Rassenhass aus den Fugen geratenen Zivilgesellschaft.
Die Rauch­­schwaden der Dschun­­­gelfeuer hängen wie dunkle, unheilverheißende Wolken metaphorisch über Kapstadt. Ausgerechnet hierher hat sich der Amerikaner Jack Burn nach einem missglückten Raubüberfall mit seinem Sohn und seiner schwangeren Frau abgesetzt. Von der Beute lebt die Familie inkognito in einem der bewachten Vororte der Stadt, bis eines Tages zwei bewaffnete Township-Gangster in ihrer Küche stehen. Burn kann sich und seine Familie retten, gerät jedoch ins Visier eines bigotten und skrupellosen Polizisten, dessen Mundgeruch für die Fäulnis eines korrupten, von innen zerfressenen Systems steht.
Manchmal übertreibt es Smith also etwas mit seinen Metaphern. Doch wie er mit scharfen Schnitten ein Panorama des gegenwärtigen Südafrika entwirft und bis zum blutigen Showdown im Town­ship eine beispiellose Spirale der Gewalt in Gang setzt, das macht diesen kleinen Makel mehr als wett. Seine Figuren sind keine Helden, sondern Getriebene. Da gibt es den schwarzen Parvenü im Polizeiapparat, der gegen die Korruption in den eigenen Reihen kämpft und immer einen Schritt zu spät kommt, die drogensüchtige Slumbewohnerin, die sich nach der Ermordung ihres Ehemannes zum ersten Mal frei fühlt, oder den Schulschwänzer, der einen Tag lang in echten Nikes durch das Ghetto spaziert und am Abend schon tot ist. Seine Geschichte trägt Smith in einem unsentimentalen, fast teilnahmslosen Ton vor, der sich niemals der Illusion hingibt, dass in einem Land wie Südafrika der Kampf gegen das Verbrechen noch zu gewinnen ist.

Roger Smith: Text: Ralph Gerstenberg

tip-Bewertung: Lesenswert

Roger Smith, Kap der Finsternis, Tropen 2009, 360 Seiten, 21,90 Euro

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