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Kultur

Sieben Projekte bekommen Geld

Kulturstiftung des Bundes fördert sieben neue Projekte in Berlin mit insgesamt 858.000 Euro.
 
Die Roma waren in ihrer Vergangenheit immer wieder Verfolgung, Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt. Auch heute sind sie häufig Opfer medialer und gewalttätiger antiziganistischer Übergriffe. „Mindj Panther – Roma Armee Fraktion“ ist der Titel eines Projektes, das sich mit diesen rassistischen Ressentiments befasst. Das Stück entsteht unter der Regie der israelischen Regisseurin Yael Ronen und versteht sich gleichermaßen als Manifest, Theaterstück und Selbstermächtigung. Das Maxim Gorki Theater erhält dafür 188.000 Euro.
 
1913 artikulierte Franz Marc mit seinem Bild „Der Turm der blauen Pferde“ eine Vorahnung vom Ersten Weltkrieg. Obwohl als „entartete Kunst“ stigmatisiert, überdauerte es den Zweiten Weltkrieg und wurde zuletzt 1948 in Berlin-Zehlendorf gesehen – seitdem gibt der Verbleib des Gemäldes zu Spekulationen Anlass. Das Haus am Waldsee stellt nun eine künstlerische, wissenschaftliche und schriftstellerische Recherche zum Schicksal des Gemäldes an. Sein mit 139.000 Euro gefördertes internationales Ausstellungsprojekt versteht sich als Beitrag zur Debatte über Raubkunst und führt idealerweise zum Wiederauffinden des Gemäldes.
 
„Rajasthan“ ist ein interkulturelles Musikprojekt der Marc Sinan Company, der Dresdner Sinfoniker sowie einer Reihe weiterer internationaler Künstler/innen, Ensembles und Kultureinrichtungen. Marc Sinan komponiert auf der Grundlage einer musikalischen Recherche eine multimediale Musikperformance über die Kultur der Sinti und Roma. Die mit 178.000 Euro geförderte Produktion von YMUSIC wird Musik, Tanz und Theater, Bildende Kunst und Videokunst sowie traditionelle indische Volksmusik mit zeitgenössischen musikalischen Einflüssen verbinden.
 
Wie müsste eine Tanztechnik beschaffen sein, die den Tänzer von jeder Form befreit, von jeglicher Festlegung im Augenblick und jeglichem erkennbaren Muster? Der französische Choreograf Laurent Chйtouane erarbeitet gemeinsam mit Tänzer/innen und Musiker/innen ein künstlerisches Experiment, das Chaos fruchtbar zu machen, so dass es von Künstler/innen und Zuschauern gleichermaßen in neuer und produktiver Weise erlebt werden kann. Sein internationales Tanzprojekt „Khaos“ wird mit 96.000 Euro gefördert.
 
Das Deutsche Theater erhält Fördergelder in Höhe von 114.000 Euro für sein Projekt „Walls – Iphigenia in Exile“, eine zeitgenössische Wiederauflage von Goethes Drama „Iphigenie auf Tauris“ aus deutsch-koreanischer Perspektive: Südkorea wie Deutschland haben historische Erfahrungen mit Teilungen und Mauern. Und in beiden Ländern gibt es trotz allgemeinen Wohlstands Tendenzen der Abschottung gegenüber Zuwanderern. Die internationale Koproduktion nimmt Goethes Stück als Grundlage, um nach unseren heutigen Grenzen zu fragen: Wen sperren wir aus? Und wen sperren wir ein?
 
Was ist der gemeinsame Nenner jüdischer Identität? Sind Juden eine Glaubensgemeinschaft, eine Ethnie oder eine Opfergruppe? „Desintegration“, ein mit 58.000 Euro geförderter Kongress des Vereins Theater findet Stadt, möchte die Frage nach einer jüdischen Identität verhandeln und führt dazu im Gorki Theater sehr unterschiedliche in Deutschland lebende Gruppen zusammen: die sowjetischen Migranten, die Einwanderer aus Israel sowie die Juden aus der Gruppe deutscher Überlebender oder Rückkehrer. Die Organisatoren wollen sich bewusst von gesellschaftlichen Zuschreibungen lösen und sich gegenüber den Fremdkonstruktionen in Deutschland nach 1945 distanzieren.
 
Das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU thematisiert mit seiner Ausstellung „Sticker, Stigma und Gegenwehr“ die historische Entwicklung und weltweite Verbreitung von Stickern. Es möchte zeigen, wie sie in verschiedenen politischen Kontexten vom 19. Jahrhundert bis heute genutzt wurden, um Ressentiments zu schüren, und veranschaulicht die visuelle Prägung von Stereotypen und politischer Propaganda. Die mit 84.000 Euro geförderte Schau im Deutschen Historischen Museum präsentiert anhand des weitgehend unerforschten Mediums aktuelle Positionen und Ergebnisse der Antisemitismus- und Rassismusforschung.
 
Quelle:
Kulturstiftung des Bundes

Mehr dazu finden Sie unter www.kulturstiftung-des-bundes.de

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