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Sinn und Unsinn bei facebook

Mark Zuckerberg

Seit etwas mehr als zwei Jahren gibt es facebook nun auch auf Deutsch, und so wächst die Zahl der User auf der Social-Media-Plattform wie überall auf der Welt auch hierzulande stetig und scheinbar unaufhaltsam. Das Angebot ist riesig, mitunter unüberschaubar und wer etwas auf sich hält, hat inzwischen nicht nur ein eigenes facebook-Profil, sondern sogar eine eigene facebook-Seite. Wir vom tip sind da keine Ausnahme.

Längst hat sich facebook zum eigenen Netz im Netz entwickelt und wer heutzutage Informationen an seine User bringen will, verlässt sich sich inzwischen schon lange nicht mehr allein auf die eigene Internetpräsenz, sondern postet seine Neuigkeiten auch auf facebook.

Das Netzwerk von Herrn Zuckerberg (Foto oben) bietet dazu viele Möglichkeiten und wer nicht gleich eine eigene Seite braucht, kann mit gleichgesinnten Freunden auch einfach eine Gruppe gründen und sein eigenes Befinden darüber ausdrücken. Diese Gruppen tragen dann so aussagekräftige Titel wie „Ich hab nen Tinnitus im Auge! Ich sehe nur Pfeifen“ oder „Amor, gibt mir deinen verdammten Pfeil… ich mach den Scheiß jetzt selbst!“. Der Informationsgehalt dieser Gruppen geht meist gegen Null und so fristen sie nach anfänglichem Mitgliederansturm am Ende meist eine kaum beachtete Existenz am Rande des sozialen Netzwerks.

Anders wird es da schon, wenn ein Prominenter im Zentrum der Gruppe steht. So erfreuen sich z.B. über 80.000 Mitglieder in der Gruppe „Westerwave – no one can reach me the water“ an den stetig neuen Fettnäpfchen, in die unser allseits geliebter Außenminister immer wieder tritt.

Szenebild aus Wirkliche Informationen auf facebook bringen natürlich vor allem Seiten und Gruppen, die entweder vom Betreiber selbst ständig gepflegt werden oder sich mit einem aktuellen Thema befassen. So bieten die facebook-Seiten vom Radialsystem V, dem Berghain oder auch vom Festsaal Kreuzberg oft eine bessere Übersicht über anstehende Events als es die eigenen, durchgestylten Webseiten der Locations tun. Interessante Informationen findet man auch in Gruppen, die sich einem aktuellen Thema widmen. Als Beispiele seine hier der Atomausstieg oder Stuttgart 21 genannt, die in den Gruppen „Wir sind Aussteiger! 100% Zukunft ohne Atomkraft“ oder „KEIN Stuttgart 21“ von den Mitgliedern heiß diskutiert werden – zugegeben manchmal sehr einseitig, doch wer für Atomkraft ist, kann ja auch eine eigene Gruppe gründen.

Natürlich kann man sich über facebook auch über die neuesten Aktivitäten seines Lieblingsstars informieren. Kaum ein Celebrity kommt heute noch ohne eigene facebook-Seite aus – Lady Gaga mit ihren fast 20 Millionen Anhängern ist da das beste Beispiel und wer mit der Sängerin aus New York nichts anfangen kann, tritt eben der Gruppe „Give us back Kurt Cobain and we will send you Lady Gaga“ bei. Über 300.000 Mitgliedern würde dies gefallen.

Natürlich wird facebook auch jenseits der Unterhaltung und Politik als Marketingplattform genutzt. Nutella hat bei facebook genauso eine eigene Seite wie Heinz KetchupVersace genauso wie H&M und selbst BP versucht, das doch stark ramponierte Image über facebook wieder aufzupeppeln und hat damit bei über 40.000 Leuten bereits Erfolg gehabt.

Bleibt am Ende die Frage: Wer braucht das Alles? Die Antwort kann auch bei facebook nur lauten: Das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Angefangen bei sinnfreien Spielen wie „Mafia Wars“ oder „Farmville“, deren ungefragt verschickten Erfolgsmeldungen schon ganze Freundschaften aufs Spiel setzten über ganze Seiten mit mehr oder weniger klugen Sprüche („Mir gefällt’s“, „iLike“) bis hin zu „Aktuelle Meldungen der Polizei Berlin“ – facebook unterscheidet sich letztlich in Nichts vom Rest des Internets: Einer Menge Blödsinn stehen mindestens ebenso viele nützliche Informationen gegenüber. Und die Betreiber der Seite „Unnützes Wissen“ haben sich genau in der Mitte platziert. Oder hätten Sie gewusst, dass Nutella einen Lichtschutzfaktor von 9,7 hat?

Text: Martin Zeising

Foto oben: facebook-Gründer Martk Zuckerberg

Foto unten: Szenebild aus dem David-Fincher-Film „The Social Network“ (Kinostart: 7. Oktober)

Lesen Sie hier: Wer hat Angst vor facebook?

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