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Klassiker

„Sommergäste“ am Deutschen Theater

Abwarten und Teetrinken: Ganz schön langweilig, so ein Leben in der Oberschicht: Maxim Gorkis „Sommergäste“ am Deutschen Theater

Foto: Arno Declair

Daniela Löffner inszeniert am Deutschen Theater mit Maxim Gorkis „Sommergäste“ ein Stück, das wie das ­Sequel von Turgenews „Väter und Söhne“ wirkt. Mit der Inszenierung dieses eher selten gespielten russischen Klassikers des 19. Jahrhunderts, ebenfalls am DT, wurde die Regisseurin vor zwei Jahren völlig zu Recht zum Theatertreffen eingeladen.

Wieder langweilt sich auch jetzt eine melancholisch gestimmte Upperclass, deren größtes Problem der eigene Ennui ist. Wieder werden die großen Debattenkonflikte der Zeit in einem gereizten, seltsam leerlaufenden Parlando entsorgt: Leben wir alle falsch? Und was wäre ein richtiges Leben? Und sind unsere Privilegien vielleicht das Problem? Und hilft ein kleiner Seitensprung gegen diese drückende Langeweile? Und wer ist unerträglicher – Jünglinge, die an verstiegenen Idealen laborieren, oder selbstgerechte Spießer, die ihr Geld zählen? Über was man halt so plaudert, während der Tee im Samowar gemütlich blubbert.

Wie damals bei Turgenjews Zeitstück ahnt der zeitgeschichtlich interessierte Zuschauer, dass es mit den Teetrinkern aus Gorkis bitterer Komödie von 1904 ein paar Jahre nach Stückschluss verdientermaßen ein böses Ende nehmen wird, wenn die Bolschewisten sie samt ihrem Ennui- und Sinnsucher-Problemen auf den Müllhaufen der Geschichte entsorgen.

Leider findet Löffner trotz des gut aufgelegten Ensembles anders als in „­Väter und Söhne“ keine überzeugende Form. Lustig-bitter ist, wie Marcel Köhler die verkrachte Büroschreiberexistenz Wlas spielt, oder wie Alexander Khuon als sein Chef Bassow seine latente Aggression mit Eitelkeitsposen parfümiert, oder wie sich Kathleen Morgeneyer als gelangweilte Ehefrau Julija Filppowna einen Flirt gönnt, oder wie Bernd Stempel den aus der Mode gekommenen Modeschriftsteller Schalimow vorführt.

Die Aufführung zerfasert in (teils wirklich gelungene) Szenen, ohne dass ein Erzählfluss, atmosphärische Dichte oder konturierte Figurenzeichnung entstehen. Die Obertöne, die eine gewisse mentale Nähe heutiger Wohlfühl-Bobos zu den russischen Teetrinkern anklingen lassen, sind zu diffus, um für größere Irritationen sorgen zu können.

Termine: Deutsches Theater Schumannstr. 13, Mitte, Karten 5 – 41 €

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