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Sonnenbrillen der Saison

Sonnenbrillen der Saison
Natürlich sollen Sonnenbrillen schützen. Die Augen sind sehr empfindlich und die UV-Strahlen der Sonne im Sommer und in den Bergen intensiv. ­Sicher sollte dies auch das Haupt­argument sein – aber seien wir ehrlich, sie sollen auch schick aussehen. Gerade in einer Stadt wie Berlin, wo Schwarz eine Modefarbe ist und das Plain White Shirt zum stylishen Standard gehört, ist viel Raum für ausgefallenere Modelle. Überhaupt nicht im Trend sind jedoch große Logos („D&G“), wie sie Fußballer, Baller­mann­touristen und Münchner lieben. Die gelten schon in der textilen Mode als ziemlich un­sexy – bei Sonnenbrillen umso mehr.
Die Brillen, die wir vorstellen, haben eine Geschichte. Wie die Marke R.T.Co, deren Designer in seinem Ein-Mann-Betrieb in Neukölln digitale Modelle entwirft, die in Italien aus­gelasert werden, oder die Berliner Klassiker IC! Berlin und ­Mykita. Die Kreativen vom Voo-Store präsentieren­ ihr ­weißes Modell in einer Kunst­installation im Kreuzberger Geschäft und Designer Michael Michalsky setzt seiner Lieblingsstadt Berlin ein Denkmal.
Brillen – Sonnenbrillen im Besonderen – spiegeln ein Lebens­gefühl wider. Fast alle vorgestellten Modelle werden aus natürlichem Baumwoll­acetat hergestellt, haben Markengläser, werden von Hand montiert, und manche sind auf nur wenige Exemplare limitiert. Das macht sich beim Preis bemerkbar. Einstiegsmodelle aus Plastik oder Pilotenbrillen aus dem Mode­discounter dagegen sind ebenso tragbar, wenn der Schutz stimmt. Deshalb sollte man bei jeder Brille auf die Kennzeichnung der Gläser achten. Die Angaben „UV-Schutz 400“ und das CE-Kategorienzeichen (empfehlenswert: „Cat 2“) sind geschützt und, wenn man die Brille nicht gerade beim fliegenden Händler am Mittelmeerstrand kauft, auch geprüft.         

Text:
Stefan Sauerbrey

Foto: Simon Vollmeyer

01 R.T.Co: Skimmer Sonora
Eigentlich war Tobias Bergmann Skater, gelernter Tischler und Grafiker. Dann importierte er billige Plastikbrillen aus China. Das war 2007. Vier Jahre später war sein Qualitätsanspruch so gestiegen, dass er für sein neues Brillenlabel R.T.Co erst in Österreich und heute in Italien fertigen lässt. Baumwoll­acetat­scheiben werden nach seinen Entwürfen gelasert und per Hand mit Carl-Zeiss-Gläsern montiert.
150 Euro, erhältlich u.?a. bei: ?Voo-Store, Oranienstr. 24, Kreuzberg; Van Liebling, Kopernikusstr. 8,?Friedrichshain; The Flag, Alte Schönhauser Str. 26, Mitte

02 Mykita: Puck Mylon Sun
Mitte der Nullerjahre gründeten die HdK-Absolventen Harald Gottschling und Philipp Haffmans in einer ehemaligen Kita in der Wall­straße das Brillen­label Mykita (sic!). Das Besondere: hier gibt es ein patentiertes Gelenk ohne Schrauben, wie bei IC! Berlin. Das ist kein Zufall, denn die beiden haben Berlins erstes Brillenlabel mitgegründet. Aber das und ein großer Streit liegen lange zurück, genau wie die Wallstraße. Die Brillen­macher residieren nun mit allen Gewerken im Mykita-Haus in Kreuzberg.
395 Euro, erhältlich u.?a. in den label­eigenen Shops im Bikini Berlin, Budapester Str. 38-50, Charlottenburg und Rosa-Luxemburg-Str. 6, Mitte

03 Shiro Voo Berlin
Nur 50 Exemplare gibt es von diesen Sonnenbrillen. Der Berliner Voo-Store hat sie gemeinsam mit dem Brillenlabel Monokel aus Stockholm entworfen. Die Inspiration für die weißen Acetat-Brillen mit silbern verspiegelten Carl-Zeiss-Gläsern sowie für die Installation von Axel Wannberg, in der sie im Voo-Store präsentiert werden, ist der Narzissmus unserer Selfie-­Gesellschaft, so Monokel-Kreativdirektor Robert Sandgren.
125 Euro, erhältlich im Voo-Store, Oranienstr. 24, Kreuzberg

04 Malaikaraiss x Viu: Diva
Der Schweizer Brillenhersteller Viu hat soeben seinen zweiten Shop in Deutschland eröffnet. Nach München gibt es die von Hand gefertigten Brillen jetzt auch in Berlin. Das Design kommt vom Studio Aeberhard/Kaegi, und gefertigt wird in einer kleinen Manufaktur in Italien aus hochwertigem Baumwoll­acetat. Zum Start gibt es eine Kooperation mit dem Berliner Mode­label Malaikaraiss. Das Modell „Diva Pearl Rose“ (Foto) ist limitiert.
220 Euro, erhältlich bei: ?Viu-Store, Potsdamer Str. 77-79, Tiergarten; Malaikaraiss Pop-up-
Store, Torstr. 66, Mitte

05 Super Andy Warhol
Die richtigen Brillen für 15 Minuten Welt­ruhm, die, wie von Andy Warhol prophezeit, irgendwann jedem zustehen, haben nur auf den ersten Blick nichts mit Berlin zu tun. Sie wurden von der Firma Retro­super­future in enger Kooperation mit der Andy Warhol Foundation for the Visual Arts in New York entworfen und werden in Italien in Hand­arbeit aus Acetat mit Carl-Zeiss-Gläsern gefertigt. Zu kaufen gibt es sie in Deutsch­land aber nur in Berlin bei den Gestalten im Bikini-Haus.
Modell Velvetdarling, 520 Euro, erhältlich exklusiv im Gestalten Pavilion, Budapester Str. 38-50, Charlottenburg

06 Michalsky for Mister Spex
Der Berliner Mode­designer Michael Michalsky hat ein Faible für Kooperationen. Was es schon alles gab: vom Mineralwasser bis zu Sofas und Tapeten. Brillen fehlten noch! Gemeinsam mit dem Online-Brillenhändler Mister Spex ist eine Kollektion von Kunststoffsonnenbrillen entstanden, die Berlin im Herzen trägt. Die elf Modelle sind inspiriert von Michalskys Lieblingsplätzen in der Hauptstadt wie dem Grill Royal, das im Modell Grillinger verewigt ist.
79 Euro, erhältlich über ?www.misterspex.de

07 IC! Berlin: Power Law
Das ist ein echter Klassiker: Berlins erstes Brillenlabel. Typisch ist das „patentierte Federscharnier-Steck­system“, anfangs nur aus Edel­stahl. Seit letztem Jahr gibt es einige Hybrid­modelle mit Acetat. Gründer Ralph Anderl hat mit seinem Team einige Etagen in der Backfabrik in Prenzlauer Berg bezogen. Dort gibt es einen Monitor mit den weltweiten Verkäufen, nach Deutschland ist Taiwan der zweitgrößte Markt. Und es gibt ein Musik­zimmer zum gemeinsamen Singen. Sehr harmonisch.
329 Euro, erhältlich u.?a. im IC!-Berlin-Shop, Max-Beer-Str. 17, Mitte

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