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Spreepark Berlin: Zurück in die Zukunft

Norbert Witte

Er campiert mit einem Wohnwagen in einem idyllischen Wäldchen mitten in Berlin. Er zahlt keine Miete oder Pacht. Und das gesamte Areal an der Spree bewachen Männer, die der Staat bezahlt. Norbert Witte, der legendäre Spreepark-Pleitier, ist zurück. Er hatte in den 90er Jahren den innerstädtischen Vergnügungspark im Plänterwald in den Ruin gewirtschaftet und sich mit mehreren Fahrgeschäften 2001 in einer Nacht- und Nebelaktion nach Peru abgesetzt. Als er nach Berlin zurückkehrte, klick­ten die Handschellen. Seit knapp einem Jahr ist Witte wieder auf freiem Fuß. Und kurz darauf wurde auch das Insolvenzverfahren gegen die Spreepark-GmbH eingestellt. 14 Millionen Euro Schulden standen zu Buche, doch bei der Familie Witte war nichts zu holen. Und weil sich auch kein Käufer fürs Gelände fand, geht der Spreepark nun an denjenigen zurück, der ihn ruiniert hat: An die Spreepark-GmbH, also an Norbert Wittes Ex-Frau Pia Witte. Und sie hat ihrem Ex-Gatten die Schlüsselgewalt und Vollmachten übertragen. Die Kosten für den Wachschutz, Schneeräumung und Baumpflege trägt hingegen das Land Berlin. Witte kann also nicht nur ganz legal kostenlos im Grünen campieren. Er kann aus dem Areal sogar Kapital schlagen. Beispielsweise für Drehgenehmigungen, wenn ein Filmteam eine verrottete Geis­terbahn drehen will.

Die Behörden haben nur zwei Möglichkeiten, Norbert Witte den Spreepark wieder wegzunehmen. Erstens: Der landeseigene Liegenschaftsfonds könnte den Erbbaurechtsvertrag mit der insolventen GmbH kündigen. Grund genug gäbe es, denn die zahlt seit rund einem Jahrzehnt keine Pacht mehr. Aber wenn der Vertrag gekündigt wird, dann müsste Berlin auch elf Millionen Euro Schulden bei der Deutschen Bank übernehmen. Mitte der 90er Jahre hatte sich das Land für diese Kredite verbürgt. Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass das Bezirksamt Treptow-Köpenick den innerstädtischen Wald mit Umweltauflagen versieht, die das Abstellen von Fahrzeugen verbieten. Grund dazu gäbe es auch, denn seit sich im Spreepark keine Karussells mehr drehen, hat sich die Natur dieses Stück Stadtraum zurückerobert. Doch das Bezirksamt ist an einer wirtschaftlichen Vermarktung des Areals als Freizeitpark interessiert. Und strenge Umweltauflagen könn­ten Investoren abschrecken.

Inzwischen soll es tatsächlich Interessenten für den Spreepark geben. Irina Dähne vom Liegenschaftsfonds spricht von „zwei soliden Interessenten“, die das Areal wieder in einen Freizeitpark verwandeln wollen. Laut einem Gesprächsprotokoll, das dem tip vorliegt, will ein Interessent einen Park versunkener Kulturen wie die der alten Ägypter oder Inka schaffen. Der Haken: Wer das Erbbaurecht kaufen will, der muss darüber mit Norbert Witte verhandeln. „Es ist unglaublich“, sagt die Grünen-Abgeordnete Lisa Paus, „wie sich das Land Berlin schon seit acht Jahren von einem vorbestraften Abenteurer an der Nase herumführen lässt.“

Text: Marina Mai

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