• Kultur
  • „Stolz sein“ von Eva Apraku

Kultur

„Stolz sein“ von Eva Apraku

Eva Apraku

Außerdem wissen gerade wir Deutschen, zu welch katastrophalen Ergebnissen Nationalstolz führen kann. Trotzdem ertappe ich mich in diesen Tagen immer wieder mal dabei, wie ich plötzlich Stolz für meine Landsleute empfinde, für die Meyers, die Öztürks oder die Rodriguez’. Denn obwohl die Flüchtlingszahlen inzwischen regelmäßig nach oben korrigiert werden, obwohl uns Bilder von Menschenmassen erreichen, die Grenzen stürmen, zeigt sich statt Abwehrreaktionen immer häufiger ein ungeahntes Mitgefühl. Da wird mit angepackt und gespendet, da werden Urlaube geopfert, Initiativen gegründet, Patenschaften eingegangen und sogar Fremde im eigenen Heim aufgenommen: Immer weniger Menschen lässt es hierzulande kalt, woran andere außerhalb unseres Terrains leiden. Mit ihrem Gemeinsinn beschämen diese Leute nicht nur die gegen sie doppelt dumpf wirkenden rechten Horden. Sie treiben auch Politiker vor sich her, die sich zu einer neuen Weltoffenheit genötigt sehen.  
Doch werden wir eine Einwanderungswelle ungeahnten Ausmaßes überhaupt bewältigen können? Ja, werden wir! Die früheren Einwanderungswellen haben uns nicht nur kosmopolitischer, sondern – unterm Strich – auch zu fähigeren, besseren Menschen gemacht.

Mehr über Cookies erfahren