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„Tanzstück #3: Doppel/Solo/Ein Abend“ in den Sophiensaelen

Tanzstück #3: Doppel/Solo/Ein Abend„Vom ich“ – „Ich bin da“, so beginnt es. In Klein- und Großbuchstaben flackern die gesprochenen Worte zuweilen auf der Rück­wand auf. Eigentlich ist im Theater nichts schrecklicher, anstrengender und unerfreulicher als derlei Bedeutungshuberei. Auch das Thema – „existenzielle Fragen zu Schauspiel und Performance“ – lockt einen nicht unbedingt ins Theater. Aber bei Laurent Chйtou­anes „Tanzstück#3: Doppel / Solo / Ein Abend“ ist das anders.
Der Franzose Chйtouane, der zuerst Ingenieurs-, dann Theaterwissenschaften und Regie studiert hat, mag genau das, was heute auf der Bühne fast immer schiefgeht. Superschwergewichtige Texte etwa von Empedokles, Hölderlin oder Heiner Müller. Ihm gelingt es. In „Tanzstück#3: Doppel / Solo / Ein Abend“ kommt irgendwann Friedrich Hölderlins kurzes Gedicht „Neue Welt“ zum Vortrag, in Gitarrenimprovisationen von Leo Schmidthals, in den Buchstaben an der Wand, in den Bewegungen der Tänzerin Sigal Zouk.
Es ist tatsächlich: eine Verstörung. Eine Bewegungserforschung, die vom Vorgeformten nichts wissen will, die es auf neue Kontexte untersucht. Schrecklich sei es, wenn ein Theaterabend nicht mehr anstrengend sein dürfe, hat Chйtouane einmal in einem Interview gesagt. Doch, das darf er. Wenn er so ist, wie bei Chйtou­ane und der großartigen Sigal Zouk. Am Ende scheint die Tänzerin nichts mehr über sich, über ihren Körper zu wissen. Wie legt man ihn auf dem Boden nieder? Fast scheint es, als ob Zouk, die hilflos die Möglichkeiten ihrer Beine und Arme, des Oberkörpers befragt, es wirklich nicht mehr wüsste.

Text: Michaela Schlagenwerth

Tanzstück#3: Doppel / Solo / Ein Abend, Sophiensaele, Sophienstraße 18, Mitte, Fr 23., Sa 24.10., 20 Uhr, Karten unter 283 52 66

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