Kultur

Tanztreffen der Jugend

Tanztreffen der Jugend

Natürlich gibt es sie, die Jugendtanz­szene. Dem tragen jetzt auch die Berliner Festspiele Rechnung, mit ihrem neu kreierten Tanztreffen der Jugend. Beim ­vorgeschalteten Wettbewerb hat eine Jury von 60 Tanzproduktionen aus ganz Deutschland die besten sieben zu ihrem Festival nach ­Berlin eingeladen, das nun zum allerersten Mal stattfindet.
Zwar gab es vorher schon andere Tanzwettbewerbe für Teenager, etwa Jugend tanzt. Da geht es dann aber um das tanztechnische Können Einzelner, beim Tanztreffen der Jugend hingegen um die Ensemble-Leistung. Ein Tanztreffen in dieser Form fehlte bisher, denn hier treffen Jugendclubs staatlicher Theater auf Indie-Projekte aus der Freien Szene. Sechs Tage Begegnungen junger Tänzerinnen und Tänzer, ergänzt durch ein Potpourri an Tanz-Workshops. Und abends dann die öffentlichen Aufführungen.
Das Festival beginnt gleich mit einem Stück, das die Bandbreite des Tanzens aufzeigt: „Cage“ von der Jugendtanzgruppe des Balletts am Saarländischen Staatstheater illustriert mit Urban Dance Gefangensein. „Höhenangst“ der Tanzwerkstatt des Oldenburgischen Staatstheaters fragt wiederum, wie man bei seinem Wunsch nach Zugehörigkeit trotzdem seine Individualität nicht verliert.
Auch die Macht der Sprache findet tänzerischen Ausdruck: Der Berliner TanzZeit Jugendcompany Evoke geht es mit ihrem HipHop-Stück „Kellerkinder“ darum, was Wörter eigentlich mit uns anstellen – es erzählt, was Berliner Jugendlichen in ihrem Kiez widerfährt. „Da-Heim“ vom Jungen Schauspielhaus Bochum wandelt haarscharf auf der Grenze von engagiertem Schauspiel und Musik­theater: Jugendliche, die ihre Heimat verlassen mussten, stellen die Frage: Wo ist eigentlich für uns noch zu Hause?
Zeit für einen witzigen Kontrapunkt aus Stralsund: In „Comix“ erleben wir tanzende Superhelden in, klar, Comics – und den Versuch, das zweidimensional Flache, manchmal auch Platte, dann doch in dreidimensionale Bewegung umzusetzen.
Und der Festival-Abschluss wird ganz besonders akrobatisch-spektakulär, mit der Produktion „Sophiatown“.
„Beziehung, Zueinanderstehen, Generationen, Familie – all das beschäftigt viele Produktionen beim Festival. Und es ist ja auch gesund, sich dazu immer wieder zu befragen“, sagt uns Jury-Sprecherin Martina Kessel. Ist ja klar, dass auch Teenager und junge Erwachsene eine ganze Menge mittels Bewegungs­sprache erzählen wollen und können. Die Berliner Festspiele wissen das nur zu gut, denn auch beim Schwester-Festival Theatertreffen der Jugend haben sich immer schon Tanzproduktionen beworben, die auch fast immer Publikumshits waren.
Festival-Leiterin Christina Schulz wünscht sich, dass viele junge Menschen kommen, die sich für Tanz begeistern – aber auch alle, die sich dafür interessieren, was man mit Jugendlichen tänzerisch machen kann. Kernpublikum des Tanztreffens sind Jugendliche, die wie die 88 Tänzer selbst zwischen 12 und 24 sind – aber die meisten Produktionen (außer vielleicht „Höhenangst“ und „Kellerkinder“) sind auch für jüngere Kinder geeignet, vor allem „Comix“. Und auch für Erwachsene, die nach Tanz im August die Lust am Bühnentanz nicht loslässt.

Text: Stefan Hochgesand

Foto: Messky Mo Photographie

Tanztreffen der Jugend im Haus der Berliner Festspiele, Mi 27.8.–Mo 1.9., Karten-Tel. 25 48 91 00, www.berlinerfestspiele.de

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