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Technoproduzent Stefan Goldmann im Gespräch

Friedrich_GoldmannJetzt erschien auf Macro erstmals eine CD mit Neuer Musik. Es fasst späte Werke des Komponisten Friedrich Goldmann (Foto) zusammen (1941–2009), Vater des Labelchefs, der dieses Jahr 70 geworden wäre.

tip: Wie würden Sie einem eingefleischten Clubgänger die Musik Ihres Vaters erklären?

Stefan Goldmann: Sie ist nicht ganz weit weg von Formaten, die ich in Clubs schon gemacht habe, etwa der Reihe „Elektroakustischer Salon“ im Berghain. Die Idee der Veranstaltung war von Anfang an, dass dort nichts laufen soll, was einen durchgängigen Beat hat. Alles andere ist offen, man schaut, was in diesem Raum wirklich gut rübergebracht werden kann. In diesem Rahmen habe ich auch Stücke von der CD gespielt, bevor es sie als solche gab.

tip: Sie sind mit Musik Ihres Vaters und von Komponisten wie Stockhausen aufgewachsen. Gab es einen Diskurs zwischen beiden Welten?

Goldmann: Schon. Auf Seiten meines Vaters und seiner Kollegen herrschte die Haltung, dass alles, das irgendwie nach Repetition oder sich wiederholenden Rhythmen riecht, total verrufen und nur redundant ist. Es herrschte Wiederholungsverbot. Mit der Auffassung musst du dich erst daran gewöhnen, dass es Musik gibt, die überhaupt erst funktioniert durch Wiederholung.

tip: Wie stand Ihr Vater dazu?

Goldmann: Er hat sich durchaus irgendwann reingehört. Ich glaube auch, dass er in einigen seiner Werke der letzten zehn Jahre auch solche Gedanken aufgegriffen hat – auch durch Anregungen seiner Studenten, als er an der UdK unterrichtete. Da waren Studenten darunter, die nicht nur Neue Musik hörten, sondern auch Techno, beispielsweise Paul Frick von Brandt Brauer Frick. Er hat meinem Vater wohl immer viele CDs gegeben: Ricardo Villalobos, Theo Parrish, solche Sachen, die ich auf dem Schreibtisch meines Vaters gesehen habe. So habe ich selbst auch Paul Frick kennengelernt.

tip: Ist „Late Works“ eine Einmaligkeit unter der Macro-Flagge?

Goldmann: Ich könnte mir durchaus etwas in der Art nochmal vorstellen, mit einem anderen Komponisten. Aber die Sache bei Macro ist, dass wir uns bemühen, nichts herauszubringen, das woanders schon abgedeckt ist. Das traf auf diese CD zu, denn genau diese späte Schaffensperiode ist nirgendwo sonst abgebildet. Das war eine Lücke – hinzu kam eine Ästhetik, die uns interessiert hat.

Interview: Ulrike Rechel

Foto: Evelyn Richter

Friedrich Goldmann: Late Works (erschienen bei Macro/Deutschlandradio/hfm Dresden)

Ensemble Junge Musik Reihe „Unerhörte Musik im BKA“, Werke von Friedrich Goldmann u.a.,  BKA, Mehringdamm 34, Di 20.9., 20.30 Uhr

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