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Teheran Banou: Lady Teheran

bodilessFrauen mit falschen Schnauzern und Männer mit Stöckelschuhen – es gibt eher schlichte Ideen, die Geschlechterrollen aufzuweichen. Auch der iranische Regisseur Ayat Najafi lässt sie in seiner Inszenierung „Lady Teheran“ nicht aus. Gleich zu Beginn singt eine mit üppigem Schnauz verunstaltete junge Frau vom Balkon des zum iranischen Teehaus umgebauten Saals im Ballhaus Ost persische Lieder, und kurz darauf stakst ein Tänzer auf hohen Absätzen übers Parkett.
Doch zum Glück wirkt das hier so, als wolle das Ensemble nur mal kurz Charlies Tante grüßen lassen, um dann zum Wesentlichen zu kommen. Auf den Spuren der Biografie einer fiktiven Teheraner Farsi-Sängerin versucht das Stück, Grenzen der Kunst und des Individuums in einem totalitären System auszuloten. In kurzen Dialogen, Pamphleten, Videoprojektionen, Liedern und hingetupften Tanzeinlagen spielt Najafi, der letztes Jahr mit seinem Dokufilm „Football under Cover“ über das Fußballspiel einer iranischen Frauenmannschaft für Aufsehen sorgte, Widerstandsfan­ta­sien durch.
Versonnen vorgetragene Demonstrationserinnerungen werden überlagert von Urlaubsdias und der Biografie verschiedener historischer Figuren. Die eine erzählt von der iranischen Revolution und dem Schah, der Nächste von Mutlangen und Heinrich Böll. Von der Studenten-Demo vor der Berliner Deutschen Oper geht’s zu der vor dem Teheraner Parlament, die Geschichte des ersten gewählten iranischen Präsidenten, der 1979 in Frauenkleidern vor den Mullahs geflohen sein soll, vermischt sich mit Erzählungen über feministische Ikonen.
Auch die Gender-Spielchen werden raffinierter: Eine Frau stülpt sich die Burka über, über der allerdings ausgerechnet die Haare sichtbar bleiben, eine andere malt sich mit grimmigem Blick buschige Augenbrauen, später posiert eine im dünnen T-Shirt und falschem Brusthaar, unter dem ihre echten Brustwarzen durchschimmern. Ausgelassene Kis­­senschlachten und wildes Umhergerenne wechseln mit tänzerischen Einlagen, bei denen sich die Akteure winden wie bekiffte Raupen vor der Entpuppung.

Text: Björn Trautwein
Foto: Mehraneh Atashi

(tip-Bewertung: Sehenswert)


Teheran Banou: Lady Teheran

im Ballhaus Ost( Adresse und Google-Map) , 17., 18.9., 20 Uhr

 

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