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13. Young Euro Classics: Interview mit Dieter Rexroth

Young_Euro_Classic_MIAGI_StreicherDer Schwerpunkt des Festivals liegt in diesem Jahr auf „Europa“. Stellt dies eine Art Rückbesinnung dar?
In der Tat lag die ursprüngliche Idee von Young Euro Classic darin, europäische Jugendorchester vorzustellen, sie miteinander zu vernetzen. Im Laufe der Jahre kamen auch asiatische, beispielsweise japanische, koreanische, chinesische Ensembles hinzu. Ebenso haben wir in diesem Jahr mit Südafrika erneut einen außereuropäischen Fokus. Neben dem künstlerischen Anspruch geht es bei dem Festival um mehr: nämlich Europa als politische und kulturelle Realität zu begreifen und dabei geht es selbstverständlich um die Idee der Aufklärung, die gewissermaßen mit Geburtshelferin der Orchesterkultur ist.

Das Libretto der Händel-Oper „Jephta“ (1751) verfasste Thomas Morell. Aber der Komponist fügte mit einem Verweis auf den Frühaufklärer Alexander Pope eigenhändig: „Whatever is, is good“ ein. Nun ist nicht alles, was ist, gut…
Richtig. Es gilt deshalb auch für uns, schwierige Verhältnisse zu beleuchten. Wir haben beispielsweise ein Orchesterprojekt, in dem junge armenische und türkische Musiker zusammen spielen.

Das Verhältnis der beiden Nationen ist durch den Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg noch immer belastet. Wird darüber im Orchester gesprochen?
Das ist schwer festzustellen, aber es geht gar nicht darum, dies zu forcieren. Es ist überhaupt wertvoll, dass es zu einem Dialog zwischen den jungen Musikern kommt, oftmals über praktische Fragen. Das ist ein erster Schritt, aus dem sich langfristig eine Normalisierung und auch das Hinterfragen der eigenen Geschichte ergeben können.

DieterRexrothAuch wenn sich Young Euro Classic auf die Tradition des Konzerts beruft, besteht hinsichtlich des Repertoires Offenheit?
Ja, und das ist wichtig für unser Festival. Der Typus des Konzerts wird peu а peu auch aufgebrochen. Tanz wird zum Beispiel integriert oder wir präsentieren junge Klavier-Solisten in einem Marathon oder veranstalten ein ganzes Kaleidoskop von Konzerten mit verschiedenen musikalischen Inhalten.

Jazz aus Südafrika zählt auch nicht unbedingt zum Erwartungshorizont des Publikums bei einem Klassik-Festival.
Richtig. Wir geben nicht vor, was die eingeladenen Ensembles spielen. Es geht darum, dass Originäre der jeweiligen Kulturen vorzustellen, zu zeigen, was die Menschen kulturell bewegt. Dazu gehört auch, Kompositionsaufträge an Musiker der unterschiedlichen Nationen zu vergeben. Aber richtig ist auch, dass letztlich der Bezug auf die europäische Musikkultur erkennbar bleibt. Und daran ist den jungen Musikern, aus welcher Nation oder Weltreligion auch immer sie kommen, sehr gelegen. Das nehmen diese Musiker oftmals ernster als unsere Musiker. Ich hatte neulich mit einer chinesischen Studentin ein Gespräch. Als Pianistin beschäftigt sie sich gerade mit Robert Schumann, und um dessen Kompositionen zu verstehen, studiert sie sehr intensiv die deutsche Romantik. Eigentlich ist das naheliegend. Doch eine derart tiefe Auseinandersetzung stellt hierzulande heute eher die Ausnahme dar.

Interview: Ronald Klein
Foto: Dieter Rexroth

Young Euro Classics
Konzerthaus,
27.7. – 12.8.,
www.young-euro-classic.de
Karten-Tel.: 217 7754

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