Theater

2 x Ivo Dimchev im HAU Berlin

x-on-Man nennt ihn die Bestie der Bühne. Verführerisch. Tabulos. Ein geborener Bösewicht, ein Mephisto aus dem Bilderbuch. Kein Härchen blüht auf seiner blassen Haut. Nackt ruht sein voller Leib auf dem hohen Stöckelschuh. Ivo Dimchev heißt die unverwechselbar fahle Männlichkeit, ein Theaterraubtier mit stolzer Glatze, ein bulgarischer Sänger von einiger Statur, der tanzt und spielt und gern auch böse sein möchte, wenn er nur endlich einen Gegner fände. Er schuf ihn sich selbst, exzentrisch, als eine Kunstfigur namens Lili Handel. Und blieb ein Wüterich. In Berlin war er bislang bei Tanz im August zu Gast, zapfte sein eigenes Blut ab und bot es dem Publikum dar. Aber was ist ein immunschwacher Gegner gegen Mephistos wahren Sparringspartner Faust?

Faust nun fand Dimchev in Franz West, seinem in diesem Sommer verstorbenen Künstlerkollegen aus Wien. West, bekannt seit den 1980er-Jahren, war ein bildender Künstler, der seine Skulpturen als  Pass-Stücke verstand. Ein rosa Sessel war ihm ein Pass-Stück für den Hintern, ein weißes Kissen nämliches für den Kopf. Nicht alles passt, man muss probieren (nicht studieren): Franz West hat dazu den Mitmach-Zuschauer, das Museum als Spielplatz und das autonome Publikum erfunden. Ein gefundenes Fressen für Dimchev.

„X-ON“ nennt der 36-Jährige sein Gruppenstück, das nicht mit dem nackten Körper geizt und die sesselförmigen, lehnenartigen, kissengleichen Skulpturen von Franz West benutzt, der glaubte, „den Trägern verleihen diese Objekte eine zusätzliche Dimension. Allerdings ungeachtet der kreativen Fähigkeiten der Benützer“.
Und weil Dimchev schon mal im HAU zu Besuch ist, zeigt er bei der Gelegenheit auch noch seine Performance „P project“, über die er nur so viel verrät: „Grundlage sind einige sehr wichtige P-Wörter. Gute Tänzer und Sexmaniacs sind willkommen.“ 

Text: Arnd Wesemann
Foto: Maximilian Pramatarov

X-on
HAU 1, So 2., Mo 3.12., 20 Uhr, Karten-Tel. 25 90 04 36
P project
HAU 1, Sa 1.12., 22 Uhr, Karten-Tel. 25 90 04 36

 

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