Theater

8. politischer Aschermittwoch mit Arnulf Rating

Für Kabarett sind die Zeiten immer gut. Alberne Affären wie die von Herrn Wulff sind da relativ niveaulos.
Es ärgert mich, dass die eigentlichen Skandale dabei fast vergessen werden – zum Beispiel die verlängerte Bankenkrise oder der „nationalsozialistische Untergrund“. Es ist erstaunlich, dass sich der Journalismus auf solche Provinzpossen kapriziert und ausgiebig die Bonusmeilen von Herrn Wulff durchgeht – und keiner fragt sich, wie es passieren konnte, dass zehn Menschen von Nazis ermordet werden und der Verfassungsschutz und das BKA dabei tatenlos zusehen. Wahrscheinlich war der Verfassungsschutz gerade zu sehr damit beschäftigt, Politiker der Links-Partei zu beobachten. Man merkt dem Verfassungsschutz bis heute an, dass er aus dem Kalten Krieg kommt und einst von Leuten aus dem nationalsozialistischen Staatsapparat aufgebaut wurde.

Besonders heiter an der Wulff-Posse ist, dass ausgerechnet die „Bild“-Zeitung als moralische Instanz auftritt.
Ja, das ist sehr schön. Wahrscheinlich findet Friede Springer Wulffs Frau als First Lady etwas degoutant, eine Dame, von der das Gerücht geht, dass sie sich aus dem Hostess-Begleitservice zur First Lady aufgeschwungen haben soll. So wie Wulff sind sie alle, insofern ist er ein guter Repräsentant dieses Landes. Ich kenne diese Partys von Manfred Schmidt auch, bei denen dann alle rumwieseln, diese Abgreifermentalität ist normal in dieser Republik. Im Zweifel lassen sie sich vom Buffet noch was einpacken. Das ist das billige Elend dieser Provinz-Kleinbürger. Diese Klientel bestimmt die Berliner Politik und inzwischen auch die europäische Politik, nach dem Motto: In Europa wird wieder deutsch gesprochen.  

Andere Skandale?
Bei dem Traumschiff, das in Italien kentert, handelt es sich vielleicht eher um ein Traumaschiff, ein schwimmendes Pflegeheim. Ich hege heimlich den Verdacht, vielleicht war es doch die Rentenkasse, die den Kapitän auf diesen Kurs gebracht hat. Es ist natürlich traurig, dass dort Menschen zu Tode gekommen sind, aber gleichzeitig lese ich, dass 2011 mindestens 1?500 Menschen im Mittelmeer ertrunken sind. Aber weil das Afrikaner waren, die nach Europa wollten, kümmert das niemanden.  

Interview: Peter Laudenbach
Foto:Michael Wallmueller

Politischer Aschermittwoch
mit Rainald Grebe, Arnulf Rating, Harald Martenstein, Piet Klocke, Lisa Politt u.a.,
Arena Treptow,
Mi 22.2., 20 Uhr,
Karten-Tel. 01805-969 00 00

Verlosung: 5 x 2 Tickets
Mail bis 20.2. an [email protected], Kennwort: Aschermittwoch

Mehr über Cookies erfahren