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Der Kommentar

848.000 Euro von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach

Das Berliner Ensemble leidet unter allem Möglichen, unter Geldmangel leidet es bei jährlichen Zuschüssen von 11,8 Millionen Euro und schönen Kassen­einnahmen nicht. Aber genug ist nie genug, und Bescheidenheit war noch nie ein Problem, mit dem sich Claus Peymann das Intendanten­leben unnötig schwer gemacht hätte. Also hat er sich, um eine teure „Faust“-Produktion zu finanzieren (Regie: Robert Wilson, Musik: Herbert Grönemeyer), unverzagt an die Lotto-Stiftung gewendet. Die hat dem Berliner Ensemble auf ihrer Sitzung am 24. September das hübsche Sümmchen von 848?000 Euro bewilligt. Einfach so, zusätzlich zum laufenden BE-Etat. Nur mal so zum Vergleich: Die tapfere Neuköllner Oper muss mit Zuwendungen von 1,1 Millionen Euro auskommen – für die gesamte Spielzeit und alle Neu­produktionen. Das Schöne an der Lotto-Stiftung ist, dass ihre Millionen recht freihändig nach Gutsherren­art verteilt werden – ohne lästige Kontrollen, nachvollziehbare Kriterien oder öffentliche Diskussion im Entscheidungs­­prozess. Der Vorsitzende des Stiftungs­rates ist Klaus Wowereit. „Lotto­geld wird völlig intransparent von der Exekutive verteilt – ohne Fach­jury und am Parlament vorbei. Die Lottogelder müssen in den Haushalt einfließen, das sind enorme Summen“, fordert Sabine Bangert, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen. Recht hat sie.

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