Theater

Abschied von Dimiter Gotscheff

Dimiter_Gottscheff_c_JensBerger_tipFremd machte ihn, dass sein Theater so resistent gegen trendbewussten Pop-Appeal und alle Versuche war, es dem Publikum so leicht wie möglich zu machen. Die gefällig flachen Spiele der Ironie interessierten ihn nicht. Gotscheffs Theater war immer radikal in seiner Ernsthaftigkeit, im Vertrauen auf das Spiel, das keinen dekorativen Ausstattungszauber braucht, und in der völlig selbstverständlichen Voraussetzung, dass die Bühne nicht nur der schönste, sondern letztlich der einzig wichtige Ort der Welt sei.

Heiner Müller, dessen Texte er als Student der Tiermedizin im Ostberlin der Sechzigerjahre entdeckt hatte, blieb sein Theatergott. Wenn er Shakespeare oder antike Tragödien inszenierte, las er sie durch Müllers Brille: Hart, spröde, genau. Seine Inszenierung der frühesten europäischen Tragödie, „Die Perser“ des Aischylos am Deutschen Theater im Bühnenbild von Mark Lammert, ist in der Verbindung von spielerischer Leichtigkeit, Kälte des Gedankens und maximaler Fremdheit gegenüber einer lauwarm saturierten Gegenwart ein faszinierendes, großes, natürlich völlig kompromissloses Kunstwerk.

Seine letzte Inszenierung, „Zement“ am Münchner Residenztheater, Heiner Müllers Tragödie der bolschewistischen Revolution, zeigt noch einmal die Schönheit, das Formbewusstsein, die Wahrheit der Kunst dieses großen Regisseurs (und hinreißend brummeligen Menschen). Am 20. Oktober ist Dimiter Gotscheff, wenige Tage nach einer schweren Operation, im Alter von 70 Jahren in Berlin gestorben.

Foto: Jens Berger

Ivanow (Regie: Dimiter Gotscheff) im anschluss: Abschied von Dimiter Gotscheff Volksbühne, Mo 11.11., 19.30 Uhr, Karten-Tel.: 24 06 57 77

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