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„Agonie“ in den Kammerspielen des Deutschen Theater Berlin

Mit vielen angeklebten Bärten, historischen Kostümen und einem auf einer Drehbühne vorbeikreisenden Folklorerussland beweisen Tom Kühnel und Jürgen Kuttner in ihrem Historienschinken „Agonie“ in den Kammerspielen des Deutschen Theaters, dass sie der gediegenen Boulevardgemütlichkeit nicht abgeneigt sind. Weit entfernt von der Intelligenz, Ironie und guten Laune ihrer früheren Berliner Inszenierungen begnügt sich ihr „zaristisches Lehrstück über die letzten Tage der Romanows“ damit, das verdiente Ende des Zarentums als Familienklamotte vorzuführen.
Michael Schweighöfer gibt einen schön vergammelten Rasputin. Moritz Grove muss im Marine-Anzug den kleinen Zarensohn spielen, was ihm gelingt, ohne sich lächerlich zu machen. Jörg Pose beweist als vertrottelter Zar Nikolai, dass er ein guter Uniformträger ist. Zwischendurch dürfen die Angehörigen des Zarenclans so tun, als würden sie singen, während im Vollplayback aus dem Off rätselhafterweise Ernst Buschs schwer pathetische Revolutionslieder aus Brechts „Die Mutter“ erklingen, möglicherweise handelt es sich um einen besonders raffinierten Verfremdungseffekt oder um einen diskreten Hinweis darauf, dass nicht Rasputin alleine die Zarenfamilie auf den Müllhaufen der Geschichte befördert hat.       

Text: Peter Laudenbach

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Zwiespältig

Agonie?, Deutsches Theater Kammerspiele, Fr 13., Mi 18., Fr 27.9., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 21

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