Theater

Aida an der Deutschen Oper

Aida

Hörgeräte zuhause lassen! Bei diesem ohrenbetäubenden Abend fühlen sich selbst Halbtaube wie neugeboren… Den Übrigen muss man leider sagen: Ein so grobklotziger Haudrauf und Schweinepriester der italienischen Volksoper, wie dieser vorlaute Abend will, war Verdi nicht.
Benedikt von Peter inszeniert „Aida“ als Geschichte eines akademischen Ägypten-Schwärmers namens Radamиs. Zuhause in seiner Studierstube liegt er im Clinch mit der Hausangestellten Amneris. Aida, ein Wunsch-Phantombild, schleicht als Frau in Weiß schlaftrunken über die Vorbühne. Das Orchester sitzt mit auf dem Podium. Alle weiteren Sänger sieht man nicht. Der Chor dröhnt im Publikum. Konzeptuell erscheint die Pantoffelheld-Deutung nicht nur reduktiv, sondern auch erstaunlich kleinkariert, ja spießig – gemessen an den Ausmaßen dieser Panorama-Oper. Mit ordentlich viel Video gibt sich die Inszenierung trotzdem obercool und ultramodern.
Besetzt ist das sängerisch sehr gut. Tatiana Serjan, eine der besten aktuellen Aidas, leiht der Nubierin sogar mädchenhafte Töne. Alfred Kim ist ein etwas pauschal attackierender Radamиs, Anna Smirnova eine zuweilen schrille, aber vorzügliche Amneris. Leider verzerren sie alle Verdis Gesangsstil zu einem streckenweise merkwürdigen Ziergeschrei. Vom expressiv rudernden Dirigenten Andrea Battistoni wird dem munter Vorschub geleistet.
Bis zur Pause der ärgerlichste Abend des Jahres! Danach wird es etwas besser. Und ein Beweis dafür, dass selbst ein ingeniöses Besetzungsbüro wie das der Deutschen Oper heutige schwere Fälle wie „Aida“ nicht im Alleingang schultern kann.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Marcus Lieberenz/bildbuehne.de

Aida, Deutsche Oper, Do 10.12., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 34 38 43 43

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