Theater

Tannhäuser in der Deutschen Oper

Hatte sie nicht genau das geliefert, was alle immer von ihr gefordert hatten: Eine Inszenierung, die auch noch in zehn Jahren mit einer komplett ausgetauschten Sängerbesetzung funktionieren wird, die konservative Opernbesucher mit schönen Ritterkostümen erfreut, aber für alle regietheatergeschulten Progressiven im dritten Akt auch noch ein paar Psycho-Gründeleien parat hält? Und war ganz nebenbei die Aufführung nicht auch musikalisch der Beweis dafür, dass sie das Haus endlich auf Vordermann gebracht hatte: Mit einem prächtig singenden Chor, einem Orchester, das unter Ulf Schirmer seinen schönen Romantiksound endlich wiedergefunden hatte und einem Solisten-Line-up, wie man es auch in München und Wien nicht besser geboten bekommt?
Als großes Mittelalterspektakel erzählt Harms Wagners Oper vom reuigen Ritter, der sich nicht zwischen der sündigen Venus und der Heiligen Elisabeth entscheiden kann: Eine ganze Blechbüchsenarmee von Ritterrüstungen hängt vom Schnürboden der Deutschen Oper, laszive Jungfrauen räkeln sich im Badezuber, und die Pilger, die zur Buße gen Rom aufbrechen werden, schmoren im züngelnden Fegefeuer. Schöne Bilder gelingen ihr und ihrem Bühnenbildner Bernd Damovsky dabei, und wer will, kann im steifbeinigen He­rum­stolzieren der singenden Rittersleut auch eine Portion Ironie entdecken. Das ist nicht wenig, auch wenn Harms gegen Ende etwas den Faden verliert und für den eigentlichen Clou der Produktion, die Darstellung der konträren Frauenfiguren Venus und Elisabeth durch dieselbe Sängerin, keine Lösung parat hat. Kann sein, dass die Buhrufer der Intendantin nur noch eine Quittung für die letzten zwei Jahre mitgeben wollten, die kein Ruhmesblatt für die Deutsche Oper waren. Nett wäre das nicht. Aber auch kein Grund zum Verzweifeln.

Text: Jörg Königsdorf
Foto: Matthias Horn


Tannhäuser
Deutsche Oper,
Bismarckstraße 35, Charlottenburg,
Do, 11.12., 18.30 Uhr

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