Theater

„Alle meine Söhne“ in den DT-Kammerspielen

Alle_Meine_SoehneEs hat seine Gründe, dass Arthur Millers erster großer Broadway­erfolg von 1947, die arg moralisierende Sozialkritikschmonzette „Alle meine Söhne“, kaum noch gespielt wird. Der mit Lieferungen für die US-Army reich gewordene Unternehmer Joe Keller stolpert über seine verdrängte Schuld: Fehlerhafte Zylinderköpfe aus seiner Fabrik brachten 21 Kampfflugzeuge zum Absturz, die Schuld konnte er einem Mitarbeiter zuschieben, der seitdem als Mörder im Gefängnis sitzt. Sein Sohn Chris will Ann, die Tochter dieses Sündenbocks, heiraten, sein zweiter Sohn kam scheinbar im Krieg um, hat sich aber in Wirklichkeit aus Scham angesichts der Schuld des Vaters selbst in den Tod gestürzt. Die Schuld kehrt zurück zum Schuldigen, ein seit Sophokles und Ibsen beliebtes Dramen-Strickmuster, das Miller mit seiner Fernsehdramaturgie handwerklich solide und etwas zu sehr moral- und botschaft-triefend variiert. Das Problem an Roger Vontobels betulicher Inszenierung in den DT-Kammerspielen ist, dass sie der Well-made-Play-Bravheit und dem selbstgefälligen Moral-Gefuchtel nichts hinzuzufügen hat und sich damit begnügt, den Plot rechtschaffen langweilig nachzuerzählen. Jörg Pose hakt den korrupten Unternehmer Keller oberflächlich ab, Daniel Hoevels macht als Chris den angry young man in der Spießervariante und sogar die sonst immer großartige Meike Droste als Ann kann den Abend nicht über das Niveau eines etwas besseren Fernseh­abends hieven.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Zwiespältig

Alle meine Söhne

DT-Kammerspiele, Mo 10., Di 11.1., 20 Uhr

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