Swinging-Berlin-Burleske

„Alles Schwindel“ im Maxim Gorki Theater

Späßchen in der Wirtschaftskrise – Bankrott! In „Alles Schwindel“ geht nicht bloß ein Rolls-Royce zu Bruch

Foto: Ute Langkafel/ Maifoto

Was Barrie Kosky an der Komischen Oper so hinreißend gelingt, versucht jetzt auch das Maxim Gorki Theater: die Wiederentdeckung der Berliner Operette der 1920er Jahre. Die rasante Burleske „Alles Schwindel“ von Marcellus Schiffer (Libretto) und Mischa Spoliansky (Musik), 1931 von Gustaf Gründgens uraufgeführt, hält, was der Titel verspricht: Im Berlin der Wirtschaftskrise blufft sich jeder durchs ­Leben. Die Grenzen zwischen Milliardären (die in Wirklichkeit pleite sind) und Klein­ganoven, Halbwelt und Glamour haben sich längst in Luft aufgelöst. Christian Weises kalauerfreudige Inszenierung setzt genregerecht auf grell überzeichnete Typen in aberwitzigen Revue-Kostümen (Adriana Braga Peretzki, Frank Schönwald) und fingerdick aufgetragener Schminke auf einer Brettlbühne mit perspektisch verzerrten Möbel-Untensilien (Julia Oschatz). Wir sind in einem Revue-Comic, Fotos des 1920er-Jahre-Berlins sorgen für Zeitkolorit.

Der Plot ist übersichtlich, eine Kontaktanzeige sorgt dafür, dass die Romanze in Gang kommt, auch wenn Evelyn Hill (Vidina Popov) nicht die reiche Dame ist, als die sie inseriert hat, sondern ein Dienstmädchen. Macht nichts, schließlich ist auch ihr Galan Tonio Hendricks (Jonas Dassler) kein Unternehmer, sondern nur ein Chauffeuer, sagt er zu­mindest. Ein Rolls-Royce geht zu Bruch, ­Perkenketten werden entwendet, in einer billigen Absteige kommt dem lange angesteuerten Geschlechtsakt bedauerlicherweise etwas dazwischen. Die Verlobungsparty bei einem mondänen Salon-Löwen entpuppt sich als ein knalliges Kostümfest der Bankrotteure. Lustig ist der Ausflug ins Halbwelt-Lokal, das zwecks touristischer Attraktivitäts­steigerung besonders zwielichtiges Gangsterpersonal beschäftigt – irgendwas muss den Schwaben auf Berlin-Exkursion ja geboten werden.
Jens Dohle hat für den Abend eine Trio-Begleitung mit Klavier, Schlagzeug und Kontrabass arrangiert, flotter Gebrauchsjazz der eher scheppernd swingenden als schrägen Sorte. Christian Weises aufgekratzter Inszenierung fehlt es vor lauter Detail- und ­Szenenverzierungsfreude und dem Hang, jeden Gag etwas zu lange auszuwalzen, entschieden an Tempo und Leichtigkeit – sozusagen Operetten-Champagner in der etwas schwerfälligen Schaumwein-Variante. Das ist alles, ohne Frage, gekonnt und sauber gearbeitet, nur sieht es halt leider immer etwas zu sehr nach Arbeit und etwas zu wenig nach fröhlichem Übermut aus.

Termine: „Alles Schwindel“ im Maxim Gorki Theater

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