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„Alvin Ailey American Dance Theater“ in der Deutschen Oper

Alvin Ailey American Dance Theater

„Bloody Memories“ hat Judith Jamison, die frühere Chefin des Alvin Ailey American Dance Theaters, einmal das Tanzstück „Relevations“ genannt. Frauen in langen Rüschenkleidern, wie sie früher in den Südstaaten zum sonntäglichen Kirchgang getragen wurden, lassen zu „Wade In The Water“ das Becken kreisen, zu „Fix Me, Jesus“ gibt es minimalistisches Ballett, zu „Rock My Soul In The Bosom of Abraham“ kracht es auf der Bühne. Vor fünfzig Jahren ist das Stück entstanden. Eine Hommage an die Lebenswelt des Südens und eine Erinnerung des Company-Gründers Alvin Ailey, der noch seiner Mutter beim Baumwollpflücken half, an die eigene Kindheit.
1958, als der 27-jährige Alvin Ailey in New York seinen ersten Ballettabend herausbrachte, war der Erlass des Obersten Gerichtshofes der USA zur Gesetzwidrigkeit von Rassentrennung gerade mal zwei Jahre alt. Und allgemein war man der Ansicht, dass afroamerikanische Tänzer in einer klassischen Ballett-Compagnie nichts zu suchen hätten. Ailey drehte den Spieß um, er gründete eine „schwarze“ Compag­nie, die Elemente des klassischen „weißen“ Balletts mit Elementen afroamerikanischer Kultur vermischte. Mit Soul, Gospel und Jazz.
Im Abstand von fünf bis sechs Jahren gastiert die Ailey Company in Berlin. Für ein sechstägiges Gastspiel macht sie dieses Mal in der Deutschen Oper Station, und wie immer hat sie, neben vielen neuen Stücken, auch „Relevations“ im Programm, das identitätsstiftende Herzstück der Company. Auch „Love Stories“ von Judith Jamison, das Modern Dance mit westafrikanischen und karibischen Tanzelementen und HipHop mischt, lässt die Geschichte Revue passieren. Gleich zwei Stücke von Robert Battle stehen auf dem Programm. In „Takademe“ kreuzt er die komplexen, dicht miteinander verwobenen Rhythmen des klassischen indischen Kathak-Tanzes mit einer temporeichen, beatgetriebenen Choreografie. Im reinen Männerstück „Hunt“ geht es um Kampfkunst, Gladiatoren und Machoposen.

Text: Michaela Schlagenwerth

Alvin Ailey American Dance Theater, Deutsche Oper, Di 12.–So 17.7., 19.30 Uhr, Sa 16. + So 17.7. auch um 14.30 Uhr, Karten-Tel. 34 38 42 46

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