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„Am Schwarzen See“ von Dea Loher am Deutschen Theater

AmSchwarzenSee_c_ArnoDeclairIn Dea Lohers neuem Stück treffen sich zwei Paare nach einigen Jahren wieder. Ein Schrecken, über den sie am liebsten nie wieder sprechen möchten, durchlöchert die Konversation. Beide Paare hatten früher Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Die Jugendlichen haben sich ineinander verliebt, und sie haben sich gemeinsam umgebracht. Bis heute wissen die Eltern nicht, weshalb. Dea Loher hat ein schön lakonisches Stück geschrieben, das gerade aus dieser Nüchternheit seine beunruhigende Kraft entwickelt.
Andreas Kriegenburg entsorgt das in der Uraufführung im gestelzten Kunstgewerbe. Die Bühne (Harald Thor) signalisiert mit Wasserflecken und akkurat abplatzender Farbe an den Wänden der leer geräumten Wohnhöhle Unbehaustheit. Sinnlos hängt eine Fahrstuhltür meterhoch über dem Boden. Damit niemand übersieht, dass die bedauernswerten Bewohner dieser Absteige den Boden unter den Füßen verloren haben, bewegt sich selbiger symbolschwer langsam von links nach rechts oder auch in der Gegenrichtung. Übertriebene Subtilität kann man der Inszenierung nicht vorwerfen.

Kein Wunder, dass Eddie (Bernd Moss) einen etwas verwirrten Eindruck macht. Bevor der erste Satz fällt, führt er eine exaltierte Ich-habe-ein-Problem-Choreografie auf. Aus dem starren Sitzen wird ein nervöses Zucken, erst der Hände, dann der Arme, dann des ganzen Körpers. Erst als ihn eine Frau Cleo (Natali Seelig) gegen die Wand drückt, beruhigt sich der Zappelphilipp mit den angespannten Nerven. Der Besuch von Else (Katharina Marie Schubert) und Johnny (Jörg Pose) macht die Stimmung nicht besser. Die Psychogymnastik der Zuckungen und Verrenkungen, auch Einlagen von Fallsucht und Autoaggression, wiederholen sich bei allen Figuren im Lauf des Abends, ohne dass derlei Choreografien über prätentiöse Schmerzensbehauptungen hinausgehen würden. Für klebrige Feierlichkeit sorgt der Soundtrack: entweder leises Flöten und Basszupfen zur Atmo-Untermalung oder erhabener Barockgesang, zu dem das Bühnenpersonal gerne andächtig erstarrt. Unfreiwillig komisch wird es spätestens, wenn die Darsteller dazu übergehen, sich gemeinsam auf dem Boden zu wälzen oder sich die Gesichter dekorativ mit Tüchern zu verhängen.     

Text: Peter Laudenbach
Foto: Arno Declair
tip-Bewertung: Uninteressant

Termine: Am Schwarzen See
Deutsches Theater
Karten-Tel. 28 44 12 21

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