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"Andrzej Wirth" von Peter Laudenbach

"Andrzej Wirth" von Peter Laudenbach
Andrzej Wirth ist schuld. Ohne ihn gäbe es vermutlich weder Rimini Protokoll noch She She Pop, weder das Dokumentartheater von Hans-Werner Kroesinger noch die hochtourigen Diskurs-Pop-Theater-Gedankenbeschleuniger von Renй Pollesch. Sie alle haben am Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft studiert, das der FAZ-Kritiker Gerhard Stadelmaier, aus seiner Perspektive völlig zu recht, für "die größte Unglücksschmiede des deutschen Theaters" hält.
Das Institut, das systematisch die Grenzen zwischen Theorie und Praxis, zwischen Genres, Medien und Künsten (gerne auch zwischen Kunst und allem übrigen) auflöste, war Andrzej Wirths Erfindung. Mit der Institutsgründung 1982 hat er das deutschsprachige Theater bis heute verändert.
Seine Polemik gegen die Stadttheater und ihre Klassiker-Pflege, "unsere alte Amme, das deutsche Bildungstheater", war unfair, aber kämpferisch: "Zu viel Geld, zu wenig Intelligenz." Vor fast vier Jahrzehnten, als Wirth das sagte, war es eine Provokation. Wenn seine Epigonen das heute in Endlosschleifen wiederholen, ist es eine Lüge.
Wirth, dieser polnisch-amerikanische Kosmopolit, ein großer Freigeist, der jederzeit bereit war, das Theater neu zu erfinden, war nie dogmatisch. Dazu war er viel zu neugierig und verspielt in seinem Denken. Die Berliner Festspiele und viele seiner Freunde, Schüler, Wegbegleiter ehren und feiern ihn zu seinem 89. Geburtstag mit ­einem "Tag für Andrzej Wirth" am 1. April ab 16 Uhr im Haus der Berliner Festspiele. Das wird schön!

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