• Kultur
  • Theater
  • Anno Saul über „Kebab Connection“ am Grips Theater

Theater

Anno Saul über „Kebab Connection“ am Grips Theater

Herr Saul, Sie inszenieren „Kebab Connection“, Ihren gemeinsam mit Fatih Akin entwickelten Film von 2005, jetzt am GRIPS Theater. Was ist für Sie die größte Herausforderung bei so einer Adap­tion?
ANNO SAUL
Die größte Herausforderung ist, überhaupt am Theater zu inszenieren. Ich habe das ja vorher noch nie gemacht, das ist meine Premiere. Einfach ist das nicht, die Mittel des Theaters sind völlig andere. Im Film arbeitet man an der Herstellung einer Illusion, man versucht das Geschehen so zu zeigen, als wäre es Realität. Im Theater weiß jeder, das sind Schauspieler, die spielen mir jetzt was vor. Die Verabredung ist eine andere, man arbeitet nicht mit der Illusion.

Eröffnet das Theater dabei nicht ganz andere künstlerische Möglichkeiten?
Unbedingt, das ist doch der Reiz an der Sache. Es gibt andere Erzählbögen und eben einen ganz anderen spielerischen Umgang mit der Darstellung. Und natürlich versuche ich mein filmisches Handwerk in die Form des Theaters zu transformieren. Das Stück hat deswegen eine Schnelligkeit, die für das Theater relativ hoch ist. Im Film arbeitet man mit Schnitten und schnellen Szenenwechseln. Wir haben im GRIPS eine Bühne mit vielen Plattformen und Spielflächen geschaffen, die uns das auch ermöglicht. Dadurch können wir parallel Geschichten erzählen und alles anders verdichten.

Sie haben den Stoff vor neun Jahren entwickelt. Ist da nicht manches veraltet?
Wir haben das Stück moderner gemacht und ein paar Sachen hineingenommen, von denen wir glauben, dass sie heute relevanter sind. Aber die Geschichte um Ibo, der gerne einen Kung-Fu-Film drehen möchte, „Die Todesfaust des gelben Rächers“, seine schwangere Freundin, die ihn für unreif hält, und seine Bemühungen, sie mit Hilfe seiner Freunde zurückzugewinnen, ist ein temporeich verwickelter, großartiger Komödienstoff. Natürlich lebt das auch von dem migrantischen Lebensumfeld, in dem die Geschichte spielt. Das funktioniert nach wie vor so gut, weil der Film damals seiner Zeit weit voraus war.

Inwiefern?
Die jugendlichen Hauptfiguren haben eine Menge Probleme, aber ihr Migrationshintergrund ist dabei kein Thema. Nachdem „Kebab Connection“ rauskam, wurde ich immer wieder auf Podiumsdiskussionen eingeladen und saß dann dort mit Menschen zusammen, die fragten, wie lange sie noch zu solchen Veranstaltungen als „Mensch mit Migrationshintergrund“ gehen müssen, um dort ihre Welt zu erklären. Inzwischen ist da viel mehr Normalität eingetreten. Wir hatten das schon drin in unserem Film. Die Art und Weise, wie damit gespielt wird, mit Onkel Ahmets Kebab-Bude und Vater Mehmets Sehnsucht nach Heimat, das macht für mich bis heute den Charme des Stoffs aus.      

Interview: Michaela Schlagenwerth

Kebab Connection: Termine
GRIPS Theater,
z.B. Sa. 2., Mo 4., Di 5., Fr 15., Sa 16.2., jeweils 19.30 Uhr,
Kartentel. 397 47 77

 

weitere Theater-Interviews:

„Angst essen Deutschland auf“ von Patrick Wengenroth

Dominique Horwitz über „Die Bajadere“ an der Komischen Oper

Die Rixdorfer Perlen „Zum feuchten Eck an der Sonnenallee“

Startseite Theater und Bühne in Berlin 

Mehr über Cookies erfahren