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Armin Petras inszeniert „Rummelplatz“ am Gorki Theater

Szene aus Rummelplatztip Erinnern Sie sich daran, was Sie am 9. November 1989 gemacht haben, am Tag, an dem die Mauer gefallen ist und DDR-Bürger einfach in den Westen fahren konnten?
Armin Petras Ich war in Neukölln, in einer Einzimmerwohnung im Parterre, und neben mir lag meine hochschwangere Freundin. Ich war ein arbeitsloser Regisseur und hatte 20.000 Mark BAföG-Schulden. Der Fernseher war kaputt, sodass wir zuerst gar nichts vom Fall der Mauer mitbekommen haben. In dieser Nacht kamen plötzlich alle Freunde aus dem Osten bei uns vorbei, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte. Ab abends um sieben, acht wurden es immer mehr.

Rummelplatztip Sie selbst sind schon früher, 1988, von Ost-Berlin nach West-Berlin gezogen, nicht ganz freiwillig. Sie hatten in Ost-Berlin halblegal freies Theater gemacht und in Privatwohnungen oder Kirchen gespielt. Mussten Sie deshalb ausreisen?
Petras So ziemlich. Ich war ja auch schon eine ganze Weile mit einer Frau aus Bremen verheiratet, aber das ist eine andere Geschichte. Ir­gendwann bekam ich Besuch, und es hieß: Entweder Sie gehen bis 24 Uhr in den Westen, oder Sie be­kom­men Ärger. Das Problem war, am nächsten Tag war Premiere, und ich spielte mit. Wir haben noch bis 23 Uhr umbesetzt, übrigens „Die Technik des Glücks“ von Franz Jung, und dann haben mich alle zum Tränenpalast gebracht.

tip Wie alt waren Sie bei Ihrer unfreiwilligen Ausreise?
Petras Knapp 24.

tip Mit was für Gefühlen haben Sie 1989 den Mauerfall und den Anfang vom Ende der DDR wahrgenommen?
Petras Spätestens ab dem Sommer 1989 war klar, dass sich etwas verändern wird. Zuerst wollte ich das alles gar nicht mitkriegen …

Armin Petrastip Kein Gefühl einer großen Befreiung?
Petras Nein, ich war ja schon in der Freiheit, oder jedenfalls im Westen. Erst als ich zwei, drei Jahre später meinen ersten richtigen Job als Regisseur hatte, am Theater in Frankfurt/Oder, das es inzwischen auch nicht mehr gibt, hatte ich so etwas wie ein Gefühl von Freiheit.

tip Jetzt inszenieren Sie am Maxim Gorki Theater ein Stück über die Anfangsjahre der DDR. Sie haben Werner Bräunigs Roman „Rummelplatz“ für das Theater bearbeitet – ein Roman, der von der Aufbruchstimmung in der frühen DDR und vom Uranbergbau im Erzgebirge erzählt und 1965, noch bevor er erscheinen konnte, verboten wurde. Weshalb bringen Sie diesen Roman auf die Bühne?

Lesen Sie weiter in tip 03/09 ab Seite 17

Interview: Peter Laudenbach
Fotos: Thomas Aurin

Rummelplatz

Maxim Gorki Theater
, Am Festungsgraben 2, Mitte,
Do 29.1. (P), Sa 31.1., Fr 6.2., 19.30 Uhr

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