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Armin Petras „Ödipus auf Cuba“ im Maxim Gorki Theater

Noch auffälliger als die Mittlebenskrise ist allerdings die bunt kostümierte Klischee-Kubaner-Combo, die sich in einer Theater-im-Theater-Rahmenhandlung zu Beginn des Abends langsam aus dichtem Havannaqualm herausschält und, mit Textbüchern auf den Knien, Armin Petras’ „Ödipus auf Cuba“ zu lesen beginnt. So grell die hochromantisierten Restposten des Alternativ-Images hier auch überzeichnet sind, wirken sie im gleichen Atemzug doch auch seltsam kritikfern verklärt.
Für Petras scheint es bei heutiger Lektüre von Max Frischs 1957 veröffentlichtem Roman um den Rationalisten Walter Faber, der – zunächst unwissentlich, bald aber schwer ahnungsvoll – eine Roman­ze mit seiner eigenen Tochter beginnt, um nichts Geringeres als alles zu gehen: Er hat die Story ins Jetzt fortgeschrieben und also die zivilisations- und globali­sie­rungskritischen Anknüpfungs­punk­te aktualisierend verschärft. Im Gegenzug sollen Reverenzen an die antiken Ödipus-Tragödien für zeitlos-archaische Wucht sorgen.
Infolge dieses Anspielungs­reich­tums trudelt der tragische Ingenieur schließlich drei Stunden lang derart überansprucht durch ein labyrinthisches Behauptungsgeflecht zwischen grellbunter Kuba-Simulation und fahler westlicher Containerbox (Bühne: Kathrin Frosch), zwischen globalen und privaten Kolonialisierungs­diskursen, Schicksal, Schuld und Sühne, dass man gut verstehen kann, warum der Faber-Darsteller Peter Kurth am liebsten gar nichts tut, sondern den eisigen Krisenstürmen einfach mit purer Präsenz zu trotzen sucht. Dieses Minimalismus-Gen, so viel ist sicher, hat seine Tochter Sabeth nicht von ihm geerbt: Julischka Eichel spielt das Girlie mit einem derart aufgedrehten Überdruck, dass man sich im Parkett selbst als hartnäckige Verächterin esoterischer Entspannungstechniken drin­gend nach so etwas wie einer Grünlichtberuhigungstherapie sehnt.
Der Abend bricht unter der sportlich herbeiassoziierten Stofffülle auseinander, wobei sich – Ironie des Theaterschicksals – gerade die Passagen mit dem aufklärerischsten Impetus als Durststrecken erweisen.     

Text:
Christine Wahl

Ödipus auf Cuba
Maxim Gorki Theater,
Am Festungsgraben 2,
Do 4.12., 19.30 Uhr

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