Theater

Arnulf Rating über das Stück „Willy100“

Arnulf_Rating_c_Michael_WallmuellerIn welcher Mission befand sich Willy Brandt in hier in der Stadt befand?
Er befand sich in Norwegen im Exil und kam nach Berlin, um den Widerstand zu organisieren. Somit hatte er – im Gegensatz zu den meisten anderen Exilanten  – sowohl den Blick von außen auf Deutschland sowie die Innenperspektive. Ihm wurde klar, dass es sich nicht um einen kurzzeitigen Spuk handelte, sondern Hitler sich länger an der Macht halten konnte. Gleichzeitig wurde offenbar, dass es den Menschen hier in Deutschland nicht um Ismen ging – weder Kommunismus noch Sozialismus – sondern schlicht weg um Fußball, den Schrebergarten oder ihren Kanarienvogel.

Wen hat Brandt in Berlin kontaktiert? Hatte er bestimmte Kontakte oder ging es erst einmal um das Sondieren des Widerstands?

Er hatte verschiedene Ansprechpartner, die sich immer mit Codeworten ansprechen mussten. Dabei erfuhr er, dass die weitgehend resigniert waren, denn es hatte vorher zahlreiche Verhaftungen und Internierungen in Konzentrationslagern gegeben. Viele hatten das Gefühl, dass sie nur noch überleben mussten, da spielte der Widerstand keine primäre Rolle mehr. Es war die Phase nach den Olympischen Spielen, in der das Hitler-Regime sehr gut dastand in der öffentlichen Wahrnehmung. Der Krieg schien noch weit weg, war für viele nicht zu denken. Dass Brandt so nahe bei den Menschen war, scheint auch ein wesentliches Element für seinen späteren Erfolg zu sein.

Sie haben ja für die Aufführung kein bisher bekanntes Theater gewählt, sondern einen neuen ungewöhnlichen Ort. Wie kam es zu der Wahl des Neuen Stadthauses?
Mein erster Impuls war, es auf dem Flughafen Willy Brandt aufzuführen. Denn dort stehen Räume frei und gleichzeitig repräsentiert dieser Ort Ankunft und Abschied, aber auch Transit und das Vorübergehende. Letztlich kam es nicht dazu. Das Neue Stadthaus wurde 1937 erbaut und spiegelt damit den damaligen Zeitgeist.

Interview: Ronald Klein

Foto: Michael Wallmueller 

Willy100 Neues Stadthaus 14+15. Januar, 19.30 Uhr 

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