Theater

Asien Pazifik Wochen in Berlin

ContactGonzoWas verbindet die Kulturen der „Zukunftsregion“, die sich laut Homepage der Asien-Pazifik-Wochen „von Pakistan und der Mongolei im Westen und Norden bis Japan und den pazifischen Inseln im Osten und Süden“ erstreckt? Wenig vermutlich.
Deshalb hat Anna Wagner für das HAU einen Festivalbeitrag mit dem Titel „Leaving The Comfort Zone“ kuratiert: viele Einzelpositionen, bewusst subjektive und streitbare Standpunkte. „HipHop was born in Papua“, behauptet beispielsweise der indonesische Choreograf Jecko Siompo. Auch wenn die Erfindung des HipHop bislang eindeutig als Verdienst afroamerikanischer Gangs in der New Yorker Bronx der frühen 70er galt, will Siompo mit „We Came From The East“ beweisen, dass der Ursprung dieser globalen Popkultur bei seinem Urgroßvater auf der Insel West-Papua zu finden ist. Als Beweise führt er ein zehnköpfiges Ensemble und „Animal Pop“ an ? so heißt der funky Tanzstil, der HipHop, Tierbewegungen und den traditionellen javanischen Tanz mixt.

Nicht in den Westen, sondern zurück in ihre Kindheit blicken ebenfalls im HAU die Choreografin Wen Hui und der Dokumentarfilmer Wu Wenguang vom chinesischen Living Dance Studio in „Memory“: zurück auf kindliche Begeisterung, mit der sie wie unzählige andere Kinder in China den Vorsitzenden Mao bejubelten. Aktiver Teil der Roten Garde wären sie damals gern geworden.Die Performance rückt persönliche Erinnerungen in den dokumentarischen Zusammenhang von Propagandafilmen, Modellopern und Zeitzeugeninterviews. Die nun 75-jährige Mutter der Choreografin, die keine gute Kommunistin war, näht auf der Bühne still vor sich hin: Einlegsohlen aus Pappe, für die Familie. ? „Memory“ fragt, wie sehr Denken und Fühlen überall von Ideologien bestimmt wird. Sehr viel harmonischer ist das eurasische Gartenkonzept im Radialsystem. Seit Frühjahr pflanzen die Künstler von Le Balto Bambus und Hokkaida-Kürbisse auf dem Außendeck, auf dem die Gruppe Posttheater mit ihrer mobilen „Sustainable Sushi“-Station Gäste bewirten wird. Das nachhaltige Essenskonzept füllt Maki und Nigiri mit Zutaten aus dem Brandenburgischen und lässt sie auf kleinen Holzschiffchen schwimmen. Abstrakter ist die musikalische Installation innen, wo Flötist Jeremias Schwarzer gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik im „Singing Garden“ naturbeschreibende Konzerte von Antonio Vivaldi und Kompositionen des bekannten japanischen Komponisten Toshio Hosokawa aufführt.

Im Haus der Kulturen der Welt gehört der Blick auf Asien-Pazifik vor allem der wundersamen Filmkünstlerin, Fotografin und Weltreisenden Ulrike Ottinger. In einer großen Installation ziehen sich unter dem Titel „Floating Food“ Landschaften aus Bildern und Objekten quer durch das Gebäude: Wasser ist Bewegung, ein Aufbrechen in andere Kulturen. Auch in ihrem neuen Film „Unter Schnee“, der beim Festival Weltpremiere hat, reist sie mit zwei Kabuki-Darstellern sehr weit: ins japanische Echigo, wo der Schnee meist meterhoch Dörfer und Landschaften bedeckt, aber auch in die Vergangenheit und Gegenwart von Blütenschneegestöber und Reispuderschnee.

Text: Anja Quickert

Foto: Anna van Kooij

Asien Pazifik Wochen 6.–17.9, Haus der Kulturen der Welt, HAU, Radialsystem u.?a., genaue Termine im Programmteil und unter: www.berlin.de/apforum/apw/

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