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„Aufhören! Schluss jetzt! Lauter!“ im Deutschen Theater

AufhoerenSchlussJetzt„Ich will ein sonderbarer Kauz werden. Ich will ein sonderbarer Kauz werden. Ich will ein sonderbarer Kauz werden.“ Und so wie er das singt und diesen Lebensplan mit einer kabarettistischen Selbstreferenzschleife verbindet („Reicht das für Theater? Sind noch alle da? Reicht das für das Abo, und fürs Repertoire?“), muss man neidlos anerkennen, dass der gute Mann seinem selbst erklärten Ziel mit diesem Abend ein gutes Stück nähergekommen ist. Was leider die einzig gute Nachricht bleibt, die diese Inszenierung zu bieten hat. Nach dreißig Minuten hätte eigentlich Schluss sein können. Margit Bendokat hatte eine verschwurbelte Geschichte über das Aufhören und die allgemeine Sinnlosigkeit des Lebens erzählt. Das Restensemble hatte ein wenig musiziert. Die Verweigerungssignale waren überdeutlich: Das hier wird kein Theaterabend, der sich selbst ernst nimmt, das hier ist eine demonstrative Sinn- und Arbeitsverweigerung. Das Theater will offenbar mal ausprobieren, was passiert, wenn es auf Inhalte verzichtet und einfach nur um sich selbst und das Showgewerbe, die eigenen leerlaufenden Tricks kreist.

Der Abend geht völlig zu Recht von seiner Überflüssigkeit und Bedeutungslosigkeit aus, das aber mit großem Budenzauber, dem Gerüst einer Showtreppe, neunköpfigem Ensemble, glitzernden Lametta-Anzügen und jeder Menge ironisch-melancholischen Gesangseinlagen. Man stellt den eigenen Überdruss, ein mit tristem Humor parfümiertes Ennui aus und kokettiert damit, jetzt mal Schluss zu machen mit dieser ewigen, theatertypischen Sinnproduktion. So gesehen muss man das Engagement der auf der Bühne erstaunlich blassen Maria Schrader als zynischen Witz verstehen: Der Star spielt halt den Star, den eigenen Status im Betriebssystem. Um etwas anderes geht es hier ohnehin nicht. Oder mit den Worten Margit Bendokats: „Es ist ganz egal, was wir hier machen.“ Stimmt, ist es.

Nur konsequent also, dass Stemann nach dreißig Minuten schon mal das Ende des Abends erklärt. Schluss. Aus. Feierabend. Aber dann geht es bedauerlicherweise noch einmal neunzig Minuten weiter im Leerlauf. Noch ein trostlos vor sich hinwitzelndes Liedchen: „Depressiver Tag, ich sag’ hallo …“ Noch eine Drehung der Drehbühne. Noch ein paar Pirouetten, die die Sinnverweigerung apart umspielen. Noch eine launige Aufforderung ans Publikum, doch einfach zu gehen: „Sie können natürlich jederzeit den Saal verlassen, auch wenn Ihnen dabei der Spott derer gewiss sein dürfte, die sich besser im Griff haben.“ Noch ein Witzchen und ein Nümmerchen und eine Lustlosigkeits­demonstration. Und fast am Ende ein toller Bendokat-Auftritt, in dem sie stoisch erklärt, was ihr im Überfluss der Zeichen und Meinungen und Waren am meisten fehlt: „Ich will mein Nüscht wiederhaben.“ Womit dieser Abend schon mal den Anfang macht: Das war wohl nüscht. Stemann, einer der intelligentesten Regisseure des gegenwärtigen Theaters, zu dessen Kunst es gehört, immer wieder das Medium Theater zu befragen, demonstriert hier sarkastisch die offensive Verachtung des eigenen Metiers. Das alles wirkt wie eine ziemlich eitle Übung saturierter Theaterleute, die sich in ihren Luxusproblemen aalen. Und offenbar selbst nichts mehr von ihrer Kunst erwarten.

Text: Peter Laudenbach
tip-Bewertung: Ärgerlich

Aufhören! Schluss jetzt! Lauter!Deutsches Theater, Fr 11.3., 19.30 Uhr, Fr 01.04., 20 Uhr

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