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„Aufstand der Glückskekse“ in der Neuköllner Oper

AufstandDerGlueckskekseNach dem Erfolg von „Berliner Leben“ haben sich Andrew Hannan (Musik) und Kriss Rudolph (Text) an der Neuköllner Oper einer weiteren Offenbach-Operette angenommen. Diesmal wird der Chinoiserie-Einakter „Ba-ta-clan“ von 1855 zum kommenden „Aufstand der Glückskekse“ umgearbeitet. Das Stück spielt in der näheren Zukunft: Die Eurozone ist pleite, die Volksrepublik China beherrscht ökonomisch die Welt und deutsche Arbeitsmigranten strömen dorthin, um ausgerechnet in der Glückskeksproduktion auszuhelfen und dabei, bekanntlich eine urdeutsche Spezialität, auch noch für Arbeiterrechte zu kämpfen.
Das Bühnenbild (Alexandre Corazzola) auf der kleinen Probenbühne unterm Dach der Neuköllner Oper besteht dann aus Museumsstücken der Filmfantasien von industrieller Produktion: ein Fließband (wie aus „Modern Times“), das von einem später bühnenwirksam feuerspuckenden Moloch (wie aus „Metropolis“) mit Glückskekskartons gespeist wird.
Ansonsten dominiert unter der Regie von Gustav Rueb die Sorte Kabarettwitze, die davon ausgehen, dass Worte wie „Euro-Rettungsschirm“ an sich schon komisch sind. Ungefähr so komisch wie die gängigen „Chinoiserie“-Scherzartikel:  Glückskeks, Blaumann, „Konfuzuis sagt“-Witze (wie früher in der Harald Schmidt Show) und die symptomatisch das „R“ durch „L“ ersetzende Rede von „den Albeiteln, die wiedel ans Luder (sic!)“ kommen werden. Was einen selbst mit so einer schlaumeierischen Kabarett-Dumpfheit oft noch versöhnt, ist Albernheit. Albernheit ist eine unverdächtig vernünftige Sache. An ihr wird an der Neuköllner Oper glücklicherweise selten gespart. Auch diesmal nicht.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob Musik im Rahmen des allgemeinen Operetten- und Offenbach-Revivals auch an der Neuköllner Oper zugunsten unseligen Kabarett-Gequassels immer unwichtiger wird. Nicht ganz.
Zum einen gibt es mit Nini Stadlmann, Dejan Brkic, Nikolas Heiber und vor allem Alexandra Schmidt ein engagiertes vierköpfiges Ensemble, das bei allem Herumhampeln mit Keksschachteln, Gymnastikbändchen und Plastik-Pumpguns manchmal doch noch zum Singen der einen oder anderen Arie kommt. Zum anderen gibt es die zweimanualige Konzertorgel Wersi „Helios“, für die Andrew Hannan die Musik arrangiert hat. Und die klingt ähnlich wie die Rummelplatzorgeln, wie man sie zum Beispiel auf alten Reggaeplatten gewohnheitsmäßig doch schon sehr liebt.     

Text: Andreas Hahn
Foto: Lena Kern
tip-Bewertung: Annehmbar

Aufstand der Glückskekse
Neuköllner Oper,
Do 19.7.–So 22.7., Do 26.7.–So 29.7., Do 2.8.–So 5.8., So 12.8., 20 Uhr,
Karten-Tel. 68 89 07 77

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