Theater

„Aus einem Totenhaus“ im Schillertheater

AusEinemTotenhausSie sind viel härter als die Oper, die Leoљ Janбcek 1927/1928 daraus machte, doch seine Version hat durch die süffig überschwängliche, von Kitsch nicht ganz freie Musik eine starke emotionale Kraft. Und das, obwohl nur Männer auf der Bühne agieren und es keine durchgehende Handlung gibt. Der große Regisseur Patrice Chйreau brachte „Aus einem Totenhaus“ bereits 2007 in einer hochkonzentrierten, dabei unglaublich dramatischen Inszenierung in Wien heraus. Nach Gastspielen in aller Welt ist diese gefeierte Interpretation nun in der Staatsoper im Schillertheater zu sehen – eine Gelegenheit, die man unbedingt noch nutzen sollte. Das Bühnenbild von Richard Peduzzi besteht aus überdimensionalen, grauen Betonquadern, zwischen denen Häftlinge und Bewacher wie Ameisen erscheinen. Die Gefangenen sind die Letzten der Letzten und berauschen sich hier an Visionen von Freiheit und Liebe, die sie nie mehr erleben werden – außer wenn sie zufällig ein betrunkener Wächter entlässt, wie es am Schluss einem Glückspilz passiert. Das Ensemble ist wie der Chor hervorragend und unsentimental, Dirigent Sir Simon Rattle ist dies an diesem Abend leider nicht. Aber selbst sein manchmal arg pathetischer Dirigierschmelz trübt den abgründig finsteren Glanz dieser Aufführung kaum.

Text: Irene Bazinger

Foto: Ros Ribas

tip-Bewertung: Sehenswert

Aus einem Totenhaus Staatsoper im Schillertheater, Fr 14.10., Mo 17.10., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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