Theater

Aus für Nico and the Navigators

Die Berliner Kulturpolitik hat wieder mal zugeschlagen. Diesmal hat es die Musiktheater-Tanz-Performance-Gruppe Nico and the Navigators erwischt. Die Gutachter für die Konzeptförderung, unter ihnen kein einziger Musiktheater­kenner, schlagen vor, der Gruppe ab 2015 die Zuwendungen von 100?000 Euro zu streichen. Die Begründung ist putzig: Die Gruppe um die Regisseurin Nicola Hümpel und den Bühnenbildner Oliver Proske hätte bewiesen, dass sie fähig sei, Drittmittel zu akquirieren. Das bedeutet nichts anderes, als dass Erfolg bestraft wird.

Was bedeutet die Gutachter-Entscheidung für die Navigators? Die Antwort der Regisseurin und Gründerin der Gruppe Nicola Hümpel ist deutlich: „Wir müssen das Büro auflösen, alle Mitarbeiter entlassen, sämtliche Bühnenbilder entsorgen und alle geplanten Gastspiele ab 2015 absagen.“ Mit anderen Worten, nach 15 ziemlich erfolgreichen Jahren war es das wohl für Nico and the Navigators. Wie schade das ist, weiß jeder, der ihre Aufführungen kennt. Von einer Händel-Inszenierung schwärmte zum Beispiel die „Opernwelt“: „Die frische Neugier, die intelligente Durchmischung von Tanz, Pantomime, Schauspiel, Gesang und mehr oder weniger schrägen Bearbeitungen von 32 Händel-Hits ist bei aller Verrücktheit von einer Ernsthaftigkeit erfüllt, die Händels Mikrokosmos genauer trifft als alle kalauernde Pop-Komik.“ Das charakterisiert den lässig-virtuosen, intelligent-verspielten Navigator-Stil ganz gut.

Man kann verstehen, dass Nico Hümpel wütend und enttäuscht ist. Sie hat immer wieder lukrative Regieangebote großer Bühnen abgelehnt, weil sie mit den Navigators arbeiten wollte. Hat sie andernorts Regie geführt, zum Beispiel bei den HÄNDEL-Festspielen, ging ihre Gage in den Navigators-Etat. Sich selbst haben die Regisseurin und ihr Bühnenbildner 2?200 Euro im Monat ausbezahlt – vermutlich ein Bruchteil dessen, was sie auf dem freien Markt der Stadt- und Staatstheater verdienen können, zum Beispiel wenn sie im kommenden Jahr am Münchner Residenztheater arbeiten.

Auch wenn man angesichts der Entscheidung und ihrer bizarren Begründung kurz an der Zurechnungsfähigkeit der Gutachter zweifeln kann, das Problem liegt nicht bei ihnen, sondern in der gesamten Konstruktion der Finanzierung der Freien Szene – dazu mehr ab Seite 60 (tip 19/2013) und in den nächsten tip-Ausgaben.

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