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„Baba oder mein geraubtes Leben“ im Heimathafen Neukölln

Baba_c_VerenaEdelOb er Ausländer sei, fragt die Neuköllner Dame, die er pflegt. „Nein, Zivi.“ Schon Kreuzberg scheint ihm unerreichbar fern. Dabei kommt er von viel weiter weg, aus Bagdad, aber das spielt keine Rolle für ihn: Als er drei war, hat ihn seine deutsche Tante adoptiert und mit nach Darmstadt genommen, wegen des Irakkriegs. Für die Großfamilie Sinans hat sich das wie Kidnapping angefühlt. Sinan verliebt sich in ein Mädchen, sie wird schwanger und Sinan beginnt, verstehen zu wollen, was das heißt: Vater, Familie, Verantwortung. Er fliegt nach Dubai, wo seine arabische Familie inzwischen lebt. Die Studiobühne im Heimathafen, zu Beginn noch White Cube mit spärlichen Requisiten, wird fortan mit Videos bespielt, teils auf einem raumfüllenden Orientteppich. Auch der Vater tritt nur als Projektion in Erscheinung, das herbeigesehnte Gespräch ernüchtert.

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Mit seinen großen Brüdern, gespielt passend zum Sujet Identität von Frauen, zieht Sinan durch die Clubs, bis er merkt, dass er zurückmuss. Obwohl der dritte Teil der Neukölln-Trilogie auf der wahren Geschichte des Tatort-Schauspielers Sinan Al Kuri beruht, muten die Schritte der Identitätssuche konstruiert an, mit schwachem Ende. Die Dramaturgie voller Situationskomik lässt den Figuren, trotz der guten Schauspieler, in der zweiten Hälfte keinen Raum mehr, einander ungekünstelt zu verpassen.

Text: Stefan Hochgesand

tip-Bewertung: Annehmbar

Foto: Verena Edel

Baba oder mein geraubtes Leben Heimathafen Neukölln, Do 27. + Fr 28.2., Mi 12. + Do 13.3., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 56 82 13 33

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