Theater

„Babel“ im Haus der Berliner Festspiele

Babel.Vor zwei Jahren war der Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui mit seinem Stück „Sutra“ bei der Spielzeit Europa zu Gast. Es war ein Stück mit echten Kung-Fu-Mönchen des chinesischen Shaolin-Klosters, großartig inszeniert und toll getanzt. Nur blieb einem die Weise, wie sich Cherkaoui dabei als eine Art Guru gerierte, etwas unangenehm in Erinnerung. Cherkaoui hatte kurz zuvor den Kairos-Preis der Alfred Toepfer Stiftung, den mit 75.000 Euro höchstdotierten Kulturpreis Europas, erhalten. Cherkaoui gelinge es, Techniken aus allen Kulturkreisen zu integrieren, hieß es in der Begründung. Ohne Zweifel versteht sich der in Antwerpen aufgewachsene Cherkaoui, seine Mutter ist eine flämische Belgierin und der Vater Marokkaner, herausragend auf solche Vermischungen. Überdies ist er nicht nur Choreograf, sondern selbst ein Ausnahmetänzer, was seinen Stücken zusätzliche Kraft verleiht. Doch leider scheint dies alles Cherkaoui, der das Tanzen zunächst von Michael-Jackson-Videos erlernte und dann zu Alain Platel wechselte, irgendwie zu sehr zu Kopf gestiegen. Seine spirituell angehauchten, mit großer Geste Menschen versöhnenden Stücke haben zunehmend einen Touch von weichgespülter Worldmusic. „Babel“ heißt jetzt Cherkaouis neue Arbeit, die er im Haus der Berliner Festspiele zeigen wird. Es ist der letzte Teil eines dem Göttlichen gewidmeten Triptychons, das mit „Foi“ so eindrucksvoll begonnen hatte – und sich mit dem etwas albernen „Myth“ enttäuschend fortsetzte. Dieses Mal also Turmbau und babylonische Sprachverwirrung. Unterhaltsam, so viel steht fest, dürfte es werden. Denn Cherkaoui versteht sich auf große Shows.

Text: Michaela Schlagenwerth
Foto: Koen Broos

Babel
Haus der Berliner Festspiele, Do 9.-So 12.12., 20 Uhr, Karten-Tel. 25 48 91 00

Mehr über Cookies erfahren