• Kultur
  • Barenboim dirigiert Wagners „Meistersinger“ an der Staatsoper

Kultur

Barenboim dirigiert Wagners „Meistersinger“ an der Staatsoper

Barenboim dirigiert Wagners

Die Bühne ist über und über mit Deutschland-Fahnen bewimpelt –  Moses’ Berlin-Debüt sieht aus wie eine Auftragsarbeit zum Tag der Deutschen Einheit, an dem die Premiere stattgefunden hat. Von Daniel Barenboim bei seiner zwanzigsten (!) Berliner Wagner-Premiere wird das so optimistisch, hymnisch positiv dirigiert, dass er sich für so viel Wagner-Missionsgeist einige heftige Buhs einfängt.
Der Witz der Aufführung besteht in der Besetzung der sogenannten ‚kleinen Meister’ mit einer Star-Riege ausrangierter Wagner-Granden: Siegfried Jerusalem in der winzigen Rolle des Balthasar Zorn, Lieder-Sänger Olaf Bär als Hans Foltz, Graham Clark (ein legendärer Bayreuth-Mime), Reiner Goldberg und als Krönung der 91-jährige Franz Mazura als Hans Schwarz: Diese Muppet-Show-Loge großartiger alter Säcke macht sogar Sinn, da es bei Wagner um den Kampf eines Newcomers (sichere Tenor-Bank: Klaus Florian Vogt) gegen das ancien rйgime althergebrachter Grundsätze geht.
Wolfgang Koch als Hans Sachs fehlen die tiefen Töne. Julia Kleiter (Eva) enttäuscht durch Textunverständlichkeit. Markus Werba als Beckmesser müht sich redlich. Diese Oper ist sängerisch Schwerstarbeit – und das merkt man. Erst im dritten Akt wird ein Perfektionsgrad erreicht, auch im Orchester, der den Besuch lohnt.   

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Bernd Uhlig

Staatsoper im Schiller-Theater
Do 22.10., 17 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

Mehr über Cookies erfahren