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Barrie Kosky inszeniert drei Monteverdi-Opern auf einen Streich

„Orpheus“, „Odysseus“ und „Poppea“, die drei Monteverdi-Opern, gelten als Qualitäts-Urknall der Gattung. Nie zuvor wurden sie zyklisch und direkt hintereinander aufgeführt. Nie zuvor so radikal neu orchestriert wie von der usbekischen Komponistin Elena Kats-Chernin – inklusive E-Gitarre, Oud, Banjo und Akkordeon. Da wir beim Opern-Entertainer Barrie Kosky sind, bietet sein Monteverdi-Aufwasch natürlich auch einen Generalangriff der Fummeltanten. Einen faunischen Musikantenstadl barbusig bocksbeiniger Art. Alles nach dem Motto: Fleisch gehört in die Auslage. Man erlebt den ganzen Flitterplunder eines Karnevals der Erschöpfung, so wie er inzwischen vielleicht allzu gut zum Klischee unserer Partymetropole passt. Man muss es Barrie Kosky lassen, dass inmitten von Cheerleader-Gymnastik in „Orpheus“ immer wieder kleine ­depressive und ernste Inseln leuchten. Auf ihnen darf der madrigaleske Hymnus still blühen. Auch hat Kosky den ganzen „Odysseus“ zu einem Kammerspiel auf grünem Kunst­rasen-Karree eingedampft.

Geschickt hat Kosky das bestehende Ensemble wach geküsst. Das nützt sowohl dem posaunenweichen Günter Papendell als Orpheus in der Unterwäsche als auch der glitzernden Giftschnalle Poppea (Brigitte Geller). Für einen kuriosen, bislang eher verheizten Darsteller wie Peter Renz schlägt als Amor endlich die Stunde der goldgelockten Beglückung. Gute, klug geführte Darsteller. Sogar ein Protagonist der Harry-Kupfer-Ära, Roger Smeets, darf als Nero noch einmal dunkel nasal drohen. Andrй de Ridder am Pult befeuert ausdauernd, wenn auch unscharf. Bei aller Erschöpfung: Man spürt frischen Wind. Im Witz der Überforderung gelingt Kosky der Neuanfang. Dass man alle drei Aufführungen an einem Tag sehen muss, darf bezweifelt werden. Unter dem geballten Rundumschlag japst man nach Gnade. Und ächzt glücklich unter der Wucht eines, immerhin: Willens zum Entwurf.

Text: Kai Luehrs-Kaiser

tip-Bewertung: Sehenswert

ORPHEUS, ODYSSEUS, POPPEA Komische Oper, 3.10., 4.11., einzeln: Orpheus, 19.10., Odysseus, 20.10., 6.12., Poppea 1.11., Karten-Tel. 47 99 74 00

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