Theater

Beethoven-Marathon im Konzerthaus Berlin

Beethoven ist anstrengend – komplizierte Kontrapunktik, geschwollene Ideale, der ganze Mann ein vertrackter Querkopf. Die Popularität von Beethovens Namen täuscht darüber hinweg, dass uns dieser Komponist viel zu sperrig geworden ist. Genau deswegen mag er uns wieder sympathisch werden.

Für einen „Beethoven-Marathon“ am Samstag von 11 Uhr bis Mitternacht im Konzerthaus hat man einige der aktuell besten Beethoven-Interpreten der Welt versammelt, vor allem Isabelle Faust (mit Beethovens Violinkonzert) und Andreas Staier (3. Klavierkonzert). Werner Güra singt Tenor-Lieder, Kolja Blacher (Violine) und Alban Gerhardt (Cello) spielen mit ihren Klavierpartnern Sonaten. Aus Dresden rücken die dortigen Philharmoniker mit Michael Sanderling an. Annette Dasch muss singen, nicht reden. Und mit Henri Sigfridsson bietet man einen der entdeckenswertesten jüngeren Beethoven-Pianisten. Sein finnischer Dickschädel weist sogar eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem von Beethoven auf.
Auch Ivбn Fischer steuert mit seinem Konzerthaus-Orchester zwei Symphonien bei (Nr. 4 und 7). Mit dem iranischen Film „The Silence“ (1998) von Mohsen Makhmalbaf endet man absolut originell: Ein blinder Klavierstimmer folgt einem Musiker in Tadschikistan, weil dieser Beethovens Fünfte spielt. Anschließend orientalisiert das türkische Ensemble Salsabil Beethoven live im Stil von Sufi- und Tasavvuf-Musik, einer mystischen Musik-Richtung im Islam. Das klingt in der Tat höchst merkwürdig und spannend.

Komponisten-Marathons gelten in Berlin nicht unbedingt als der letzte Schrei. Zur Stadt der längen Nächte und der langen Messer aber gehören sie wie die Molle zum Korn. Dieser Marathon ist besser besetzt als fast alle in den letzten Jahren. Und zieht die richtigen Schlüsse. Selbst für Beethoven persönlich wäre diese Beethoven-Überportion vielleicht zu viel. Für uns genau richtig.    

Text: Kai Luehrs-Kaiser

BEETHOVEN-MARATHON
Konzerthaus, Sa 10.11., ab 11 Uhr, Karten-Tel. 203 09 21 01,

 

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