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Benedict Andrews Operndebüt „Der feurige Engel“

Gut möglich, dass Cate Blanchetts Ausdruckszugewinn in Woody Allens „Blue Jasmine“ dem australischen Regisseur Benedict Andrews mitzuverdanken ist. Mit ihm hatte sie kurz zuvor Botho Strauß’ „Groß und klein“ erarbeitet. In seinem Berliner Operndebüt mit Prokofieffs „Der feurige Engel“ hat es Andrews wiederum mit einem großen Frauenporträt zu tun.

Die junge Renata will sich mit einem Engel, der ihr in einer Vision erschienen ist, in Gestalt eines Mannes körperlich vereinigen. In der ekstatischen Häretikerin, die ein ganzes Kloster vom Glauben abbringt, kann Andrews indes kaum mehr entdecken als eine Nymphomanin. Vulgo: eine Schlampe. Merkwürdigerweise ist dies ohnehin die Nullstellung fast jeder Frauendarstellung in modernen Opern-Inszenierungen. Hure oder Schlampe, das ist meist die Frage.

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Bühnenbildner Johannes Schütz (bekannt durch die Inszenierungen von Jürgen Gosch) lässt unablässig graue Würfelscheiben auf- und abbauen. Was ermüdet. Der Abend schnurrt etwas zu durchgeplant, dadurch nervig ab. Allerdings gesanglich kompetent. Svetlana Sozdatelevas kreidiger Sopran kommt problemlos, vielleicht etwas zu einfarbig über den Graben. Ähnlich Evez Abdulla als Bariton-Ritter, der für sie etliche Schläge einsteckt. Chefdirigent Henrik Nбnбsi hat Mühe, die schneidende Rhythmik des Werkes durchzuhalten. Er weicht die Konturen auf, es wird labbrig. Während zweier pausenloser Stunden strengt man sich an, in dies eigentlich reißerische Stück reinzukommen. Nicht feurig genug.

tip-Bewertung: Annehmbar

Der feurige Engel Komische Oper, So 2., So 16.2., So 2.3., 18 Uhr, Karten-Tel. 47 99 74 00

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