Theater

„Berliner Leben“ in der Neuköllner Oper

BerlinerLebenDie Neuköllner Oper hat Jacques Offenbachs „Pariser Leben“ (1866) freizügig zum „Berliner Leben“ (jetzt) umgearbeitet und dabei ihre Kernkompetenzen Charme und Liebe zu Detail wie Durchgeknalltheit vorbildlich genutzt. Aus dem schwedischen Aristokratenehepaar, das im Paris zur Zeit der Weltausstellung in die Fänge der Boheme gerät, ist ein ukrainischer Wirtschaftsmann (Clemens Gnad) nebst Gattin (Sarah Papadopoulou) geworden, denen ein windiger Drogendealer (Janko Danailow) die eigene Bruchbuden-WG als „Special Event“-Themen-Hotel verkauft. Kaltes Wasser in der Dusche und Mietrückstand inklusive.

Offenbach-Musik ist elegant, auch in der Trio-Besetzung an der Neuköllner Oper, ergänzt von Jazz und Ambient-Zeug (Arrangement und Kompositionen von Barbara Rucha). Die Textbearbeitung (Kriss Rudolph) folgt dem Handlungsverlauf des Originals übrigens überraschend nah. Dumpfe Kabarett-Witze zum Thema Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung hätte man ruhigen Gewissens weglassen können. Schade, dass das als angemessener Exzess geplante Finale in einem Aquarium-Nachtclub-Szenario leicht verschenkt wegblubbert. Das ändert nichts daran, dass man im Großen und Ganzen zu animierend manischer Form und glorreichem Schwachsinn aufläuft.   

Text: Andreas Hahn
Foto: Matthias Heyde Berlin
tip-Bewertung: Sehenswert

Berliner Leben
in der Neuköllner Oper,
u.a. am 1., 5.–8., 13., 14.4., 20., 21., 22.4., 20 Uhr,
Karten-Tel. 68 89 07 77

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