Theater

Bernhard Glocksin im Gespräch

Bernhard_Glocksin_c_MatthiasHeydeHerr Glocksin, die Neuköllner Oper führt Jacques Offenbachs „Chinoiserie musicale“ mit neuem Text auf. Was passiert in Ihrer Bearbeitung „Aufstand der Glückskekse“?
Wir müssen ja jetzt im Rahmen der Globalisierung alle Chinesisch lernen. Wir machen das mit Offenbachs wunderbarer Operette, die haben wir einfach etwas aktualisiert.

Weshalb müssen wir jetzt alle Chinesisch lernen?
Das mit unserem Wohlstand in Europa, das geht vielleicht noch ein paar Monate oder Jahre gut. Aber irgendwann ist der Euro weg, und die Chinesen übernehmen die Weltwirtschaft. Wir erzählen von ein paar Leuten, die Gastarbeiter in China sind, und sich dort in einer Glückskeks-Fabrik verdingen. Die versuchen zurück nach Deutschland zu gelangen …

Werden die Deutschen als Globalisierungsverlierer in dieser nahen Zukunft, von der Sie erzählen, gegen ihre chinesischen Herren rebellieren?
Das ist unvermeidbar. Solche Dinge wie Menschenrechte und faire Arbeitszeiten sind da leider nicht so gefragt. Der Deutsche als solcher ist ja nicht besonders integrationsfähig und auch nicht integrationswillig. Der will lieber zurück ins verarmte Deutschland. Das ist unser Szenario.

Wenn Brasilianer, Inder und Chinesen das Ruder übernehmen und Europa kolonialisieren, ist das ein Akt ausgleichender Ungerechtigkeit und die verdiente Strafe für europäische Dekadenz, oder?
Selbstverständlich. Wir blicken in unserem Stück nach China, weil diese Monokultur des Sojaanbaus in Deutschland einfach langweilig ist. Wir gehen ins Mutterland, ins Land der Zukunft, ins Reich der Mitte.

Interview: PL
Foto: Matthias Hyde

„Aufstand der Glückskekse“ Neuköllner Oper, 5.+6., 12.–15., 19.–22.7., 20 Uhr, Karten-Tel. 68 89 07 77

 

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